| | Navdanya: Eine kleine Bio-Insel im Ozean der Pestizide von Pierre Prakash, 17. Januar 2004
Sei neun Jahren, verteidigt die kleine NRO die Biodiversität und die Selbstversorgung der Bauern
Wie Hunderte Landwirte in der Umgebung von Dehradun, einer im Norden Indiens gelegenen Kleinstadt, hat sich Aruna Negi vorgenommen, den Multis Widerstand zu leisten. 'Wir waren in einen Teufelskreis geraten' erzählt die 45jährige Frau. 'Jedes Jahr mussten wir uns mehr Düngemittel und Pestizide kaufen.' Mit der Hilfe der NRO Navdanya, die vor inzwischen neun Jahren ihren Sitz in Dehradun etabliert hat, ist Aruna Negi seit 5 Jahren zum biologischen Anbau zurückgekehrt. 'Geldprobleme haben wir jetzt keine mehr', sagt sie, 'und außerdem schmecken unsere Gemüse nun viel besser'
Der von Vandana Shiva, gegründete Verein kämpft um die Erhaltung der Biodiversität und überhaupt für die Rettung der herkömmlichen Anbaumethoden, die in Indien durch die Invasion der von einem Riesenmarkt - Indien zählt 650 Millionen Bauern- angezogenen Multis gefährdet werden.
'Gefangen.' 'Diese Multis verlocken die Kleinbauern zum Ankauf von Hybridsamen, indem sie ihnen höhere Ernteerträge versprechen', erklärt jene Frau, in Anlehnung auf ihren Anti-GMO-Kreuzzug die 'indische José Bové' genannt. Diese Sorten können aber im folgenden Jahr nicht wieder ausgesät werden. So müssen die Kleinbauern jedes Jahr neue Samen bei den Multis kaufen, die sie dadurch buchstäblich zum 'gefangenen Markt' machen. Folge: Die Kleinbauern verschulden sich, gehen schließlich Pleite und werden gezwungen, ihr Gut zu verkaufen, meint V. Shiva. In verschiedenen Bundesstaaten des südlichen Teils Indiens haben sich in den letzten Jahren mehrere Bauern sogar das Leben genommen. 'Außerdem können diese Sorten ohne chemische Mittel nicht wachsen' sagt Vandana Shiva;
'Ich bin zum Gebrauch von chemischen Mitteln übergegangen, weil die Regierung mir bessere Ernteerträge versprochen hat' erklärt Wali Mohammed, dessen Gut von 0,08 ha zu den größten des Dorfes Bhudi bei Dehradun zählt. 'Das war in den ersten zwei Jahren auch der Fall, aber seitdem sinken die Erträge unaufhaltsam, und ich muss andauernd neue Düngemittel, Herbizide und Pestizide dazugeben um das auszugleichen. Jetzt bin ich auf Bankenanleihen total angewiesen.' Die Landwirte, die zum Bioanbau zurückgekehrt sind, bekunden, dass die herkömmliche Methode rentabler ist. Sunil Bhatt aus dem benachbarten Dorf bestätigt, dass die Erträge nicht ganz so hoch sind, dafür braucht er aber keine Investitionen. Die 60.000, über das ganze Land verstreuten Biobauern von Navdanya bleiben im Vergleich zu der gesamten indischen Landwirtschaft zwar eine Randerscheinung. Jedoch hat ihr Kampf schon Tausende gefährdeter einheimischer Saatsorten vor dem Artensterben gerettet. Aus Rentabilitätsgründen begrenzen nämlich die Multis die Zahl der zum Kauf verfügbaren Pflanzensorten, was zum Aussterben von Hunderten Sorten führt. Zugleich drängen sie zur zwar einträglicheren, dafür aber empfindlicheren Monokultur. Aus diesem Grund muss Indien heutzutage gewisse Getreidearten einführen, wobei sie sich nach der 'grünen Revolution' der 70er Jahre selbst versorgen konnte. ' Von einer ausschließlich auf Handel beruhenden Logik, die nur auf großen Landwirtschaftsbetrieben auf Dauer bestehen kann, wird die Biodiversität gefährdet' meint V. Shiva. Und solche Betriebe sind in Indien äußerst selten.
Banken: Ab 1994 wurden ungefähr 20 über das ganze Land verstreute Samenbanken zur sorgfältigen Aufbewahrung der in der jeweiligen Region einheimischen Saaten. Unweit von Dehradun werden auf dem Biobauernhof der NRO jedes Jahr an die 500 Reis-, Korn- und Linsensorten - u.a. ausgesät, die auf diese Weise vor dem Artensterben gerettet werden. Zugleich bildet Navdanya Bauern aus, die zum Bioanbau wechseln wollen und baut den Vertrieb von bisher auf dem indischen Markt nicht vorhandene biologischen Erzeugnissen auf. In den Augen von V. Shiva ist die biologische Landwirtschaft 'die einzig nachhaltige Möglichkeit' für die Kleinbauern in den Entwicklungsländern.' Worte, die auf dem WSF weit und breit vernommen werden: 'Jedem Saatenmonopol bzw. Patentierung des Lebendigen muss dringend Einhalt geboten werden, wenn wir das Aussterben der Erfahrungen der Kleinbauern aus armen Ländern vermeiden wollen.'
Ehrenamtliche Übersetzung: Michèle Mialane, coorditrad
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