| | Charta von Mumbai Resistance Gegen imperialistische Globalisierung und gegen Krieg
Die MR 2004 versteht sich als Fortsetzung der militanten Tradition, die in den Bewegungen gegen Globalisierung und Krieg in Seattle intensiv manifest wurden. Die Idee zu MR 2004 entstand beim 'Internationalen Camp, Widerstandsbewegung Saloniki 2003' in Griechenland. MR 2004 ist für die Zeit vom 17. bis zum 20. Jänner 2004 geplant, parallel zum Programm des Welt-Sozial-Forums (WSF) in Mumbay. Diese Veranstaltung ist Teil des Bestrebens, eine starke weltumspannende antiimperialistische Bewegung aufzubauen. Diese will alle Menschen dieser Welt und auch die Teilnehmer am WSF über die Grenzen des Reflektierens und der Debatte' hinführen zu einem organisierten Widerstand gegen imperialistische Globalisierung und gegen Krieg.
- Das Treffen von MR 2004 in Mumbay versucht besonders die anti-imperialistische Bewegung in Indien einen Schritt nach vorne zu bringen. Sie soll Teil der internationalen Bewegung gegen die zunehmende Konzentration kapitalistischer Kräfte auf der ganzen Erde und gegen die zerstörerischen Kräfte der imperialistischen Globalisierung werden. Denn diese zerstört das sozio-ökonomische Netz aller benachteiligten Länder dieser Welt und ist Ursache für die Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschen und beraubt sie ihres Rechtes zu leben.
- MR 2004 ist frustriert von der gestaltlosen Vorstellung einer 'anderen möglichen Welt' durch das WSF. Es sucht nach einer konkreten alternativen sozio-ökonomischen Struktur. Diese soll auf der Basis von Selbstvertrauen errichtet werden. Es bedarf eines radikalen Bruchs mit allen Kontrollen, Herrschaftsansprüchen und Unterdrückungen durch den Imperialismus und seine Institutionen des weltumspannenden kapitalistischen Systems, wie Weltbank, IWF (Internationaler Währungsfonds), WTO (Welthandelsorganisation), transnationaler Konzerne usw. MR 2004 ist überzeugt, dass Wohlstand und Wachstum in Indien und anderen unterentwickelten Ländern nur durch eine Wirtschaft unabhängig von äußeren Einflüssen erreicht werden kann. Eine wahrhaft sozialistische Wirtschaftsordnung. MR 2004 ist der Meinung, dass dies nur durch Kampf erreicht werden kann und nicht durch endlose und manchmal sinnlose Debatten.
- MR 2004 ist strikt gegen den unverschämten Raub an den unterentwickelten Ländern dieser Welt, ihrer Wirtschaft, ihrer Naturschätze, ihrer Landwirtschaft und ihres enormen Reichtums und vor allem ihrer menschlichen Ressourcen durch die multinationalen Konzerne. Unterstützt durch die imperialistische Politik ihrer Regierungen findet dieser Raub statt unter dem Vorwand ökonomischer Reformen'. MR 2004 ist der tiefen Überzeugung, dass der Kampf gegen diesen Imperialismus und dieses globale kapitalistische System auch gegen die herrschenden Kasten in den benachteiligten Ländern gefochten werden muss, weil sie diese Politik aktiv unterstützen und sogar implementieren.
- MR 2004 ist strikt gegen die Privatisierungs- und Ausverkaufs-Politik dieser Regierungen. Ganz besonders im Bereich der Grundstoffindustrie, der öffentlichen Dienstleistungen, der Gesundheitsvorsorge, der Bildungseinrichtungen, der öffentlichen Wohlfahrt und anderer sozialen Bereiche. Das ist der tatsächliche Ausverkauf des nationalen Vermögens.
- MR 2004 verlangt die einseitige Tilgung der Auslandsschulden, die von den volksfeindlichen Regierungen bei den Imperialisten angehäuft wurden mit ihren erdrückenden Zinsendiensten.
- MR 2004 lehnt die massiven Attacken gegen die Arbeitnehmer dieser Welt ab, die im Zuge der Globalisierung stattfinden. Die arge Wirtschaftkrise führt dazu, dass das Kapital die Profite zu maximieren sucht durch Privatisierung, Personalabbau, Lohnkürzung, Auslagerung, Flexibilisierung, Kürzung der Sozialleistungen, sowie der Altersvorsorge usw. Es wird sogar das Recht der Arbeitnehmer, sich zu organisieren und das Recht auf Streik angegriffen. In Indien und auch in anderen Teilen der Welt, sind die Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung in unvorstellbare Tiefen gesunken.
- MR 2004 bekämpft auch die Angriffe auf das Überleben der Landbevölkerung in den benachteiligten Ländern durch die Globalisierung der Landwirtschaft. Die gesamte Landbevölkerung Indiens wird ruiniert durch massiv subventionierte Billigimporte, den Preisverfall der Landprodukte, den Mangel an Preisstützungen, der Ablehnung von Krediten für Bauern, den steigenden Wucherzinsen, den Rückzug der öffentlichen Investoren aus der Landwirtschaft, die steigenden Einkaufspreise, die zunehmende Abhängigkeit von Lieferungen von multinationalen Konzernen, das Überhandnehmen der Latifundien, die Übernahme großer Landflächen durch multinationale Konzerne. Daneben gibt es Probleme durch Dürreperioden, Überschwemmungen, die das Land verwüsten und jedes Jahr Tausende in den Tod treiben. Und Schuld daran ist die nationale Politik.
- MR 2004 steht auf gegen den Trend des neuen Faschismus in der ganzen Welt. Er hat eine abstoßende Form angenommen und zahlreiche Übergriffe besonders gegen nationale Minderheiten entschuldigt mit der Ausrede des Kampfes gegen den Terrorismus, besonders seit dem 11. September. Diese Übergriffe sind nichts anderes als der Versuch, den Kampf der Völker um ihre Grundrechte und ihre berechtigten Forderungen zu unterdrücken. In Indien haben diese Erscheinungen verschieden Formen angenommen. Die auffälligste Form ist der Hindu Faschismus. Er terrorisiert die Minderheiten und benützt dazu das repressive Kastensystem und fördert es nachgerade. Es peitscht den nationalistischen Chauvinismus auf. Die Pogrome im Bundessstaat Gujarat 2002 waren das tödlichste Zeugnis dafür. Ebenso die drakonischen Gesetze wie das Gesetz zur Verhinderung terroristischer Angriffe (POTA, prevention of terrorist Act) und das Gesetz zur aufrecht Erhaltung wichtiger Dienste (ESMA, Essential Services Maintenance Act), welche die extrem undemokratischen und repressiven Traditionen des Zentralstaates kolonialer Tradition fortschreiben.
- MR 2004 ist der Ansicht, dass die gegenwärtige kulturelle Degeneration, der extreme Konsumismus und die religiöse Heuchelei ein Resultat der rückschrittlich/feudalen und kapitalistisch/imperialistischen Werte sind, die einerseits hochgehalten werden von einem ungezügelten Markt-Fetischismus und anderseits von einem religiösen Fanatismus der Regierungen einiger Länder. MR 2004 unterstützt echte demokratische Werte und Kulturen, um das Verschwinden des kulturellen Erbes der Völker zu verhindern.
- MR 2004 ist der Ansicht ,dass die enorme Umweltzerstörung in der Welt - auch in Indien - das direkte Resultat des Prinzips vom Primat des freien Markts und des kapitalistisch/imperialistischen Konzepts für Entwicklungs-Zusammenarbeit' ist. Das führt dazu, dass natürliche Ressourcen zur Handelsware werden und dass die Habsucht der Konzerne und ihre Profitmaximierung auf Kosten der Ökologie und des Lebensraums der Völker befriedigt werden. Umweltschutz ist unmöglich ohne die Wurzel des Übels dieser Raubzüge auszureißen.
- MR 2004 nimmt den Kampf auf gegen die zunehmende Ausgrenzung aller Gruppen der unterdrückten Massen unter der imperialistischen Globalisierung. Besonders für die sozial benachteiligten Gruppen und der indigenen Völker. Z.B. werden die Adivasi, die 7% der Bevölkerung Indiens ausmachen, von ihrem Land und ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben und werden mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
- MR 2004 bekämpft alle Formen sozialer Unterdrückung. Besonders in Indien spielen die Kasten auch heute noch eine entscheidende Rolle im aktuellen System der Ausbeutung. MR 2004 steht für die komplette Ausrottung des Jahrhunderte alten unmenschlichen Kastensystems mit allen seinen sozialen, politischen und sozio-religiös-kulturellen Facetten. Unter dem Einfluss der Globalisierung zeugt dieses System noch schlimmere Auswirkungen. Der Angriff auf die benachteiligten Kasten wird immer dramatischer sei es durch den Chauvinismus der oberen Kasten oder durch den brahmanischen Faschismus. MR 2004 ist strikt gegen alle Formen der Herrschaft und den Chauvinismus höherer Kasten und die abscheuliche Diskriminierung der Unberührbaren', die in weiten Teilen des Landes noch immer geübt wird.
- MR 2004 nimmt den Kampf gegen die patriarchalische Unterdrückung der Frauen auf und lehnt die vulgäre und imperialistische Unkultur ab, die Gewalt gegen Frauen entschuldigt und Frauen zur Handelsware herabwürdigt.
- MR 2004 verwehrt sich gegen alle Formen der gesellschaftlichen Spaltung und lehnt alle Formen der Gewalt gegen Minderheiten ab. Besonders den Hindu-Nationalismus der sich gegen Minderheiten richtet wie die Christen, die Sikhs und die Dalits (Unberührbaren) und besonders gegen die Muslime. In diesem Zusammenhang unterstützt MR 2004 alle fortschrittlichen Kräfte aller Religionsgemeinschaften, die gegen die imperialistischen, fundamentalistischen und faschistischen Mächte kämpfen.
- MR 2004 fordert Gerechtigkeit, Gleichheit und Befreiung für alle, unabhängig von Kaste, Nationalität, Religion oder Geschlecht und glaubt fest daran, dass alle diese unterdrückten Teile der Gesellschaft einen wichtigen Anteil an der anti-imperialistischen Bewegung zur Errichtung einer neuen Weltordnung beitragen werden.
- MR 2004 vereinigt sich mit all den Millionen von Menschen, die gegen die Aggression und die Kriege sind, die von den USA angeführt werden. MR 2004 steht an der Seite der kämpfenden Völker des Irak, Afghanistans, Palästinas und anderer Völker unter den Stiefeln der US imperialistischen und radikal zionistischen Aggression. MR 2004 steht für die Auflösung aller fremden Militärbasen besonders der USA in der ganzen Welt. Zugleich steht MR 2004 auf gegen jede militärische Intervention und die Expansionsstrategien aller imperialistischen Mächte.
- Schließlich appelliert MR 2004 an alle echten anti-imperialistischen Kräfte Indiens und in der Welt, die Bestrebungen von MR 2004 zu unterstützen. Alle Teilnehmer am WSF in Mumbay sind aufgerufen, wirksamen Widerstand gegen imperialistische Globalisierung und gegen Krieg zu leisten.
- MR ist der festen Überzeugung, dass Gerechtigkeit, Gleichheit und Befreiung nur durch den Kampf der Völker erreicht werden können. In diesem Vorgang schließen wir keine Form des Kampfes aus, die in gewissen Situationen notwendig sein kann. Jede Einschränkung für die Art des Kampfes führt nur zu einer Spaltung der Kräfte die gegen den Imperialismus aufstehen.
- Wir appellieren an euch alle, an unseren Plenarversammlungen, Workshops, Seminaren, am Kulturfestival und unserer Rallye teilzunehmen, damit der wachsende Widerstand in Indien und in der Welt mehr Gewicht bekommt. MR 12004 wird am 17. Jänner 2004 um 9:00 Uhr gegründet werden. Am 17. und 18. Jänner folgen eine Serie von Workshops (vornehmlich zu Themen, die das Überleben der Völker betreffen.) Am 19. Jänner steigt ein Kulturfestival und am 20 Jänner die Mammut Rallye.
- Wir, die Initiatoren von MR 2004 rufen alle demokratischen Massenorganisationen auf, an unserem Prozess teilzunehmen. Alle demokratischen Menschen sollen ihren Namen dem Empfangskomitee leihen. Alle anderen mögen diese Initiative durch Spenden unterstützen. MR 2004 wir alle seine Einnahmen und Ausgaben veröffentlichen. Nun, da der Anfang von MR 2004 nicht nur in Indien, sondern in der ganzen Welt gemacht ist, rufen wir alle Menschen auf, an diesem neuen Prozess teilzunehmen. Der Höhepunkt soll bei der Veranstaltung im Jänner 2004 erreicht werden.
5. September 2003
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