| | Von Mumbai nach Linz: 2. AUSTRIAN SOCIAL FORUM (ASF) 03.-05. Juni 2004 mit anschließendem Treffen der Sozialen Bewegungen am 06. Juni AUFRUF zur Gestaltung - zur Mobilisierung - zur Teilnahme
Gerald Faschingeder, Karin Fischer, Johannes Jäger, Alexandra Strickner (Hrsg.) Mandelbaum. Edition Südwind. Wien 2003. ISBN 3-85476-089-2
Nach dem erfolgreichen 1. Austrian Social Forum (ASF) im Mai 2003 in Hallein, an dem über 2.000 Menschen teilnahmen, hat die Bewegung auch in Österreich immer weitere Kreise gezogen. Das ASF soll unter größtmöglicher Beteiligung aller Netzwerke, Vereine, Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen stattfinden, die eine Alternative zur herrschenden neoliberalen Globalisierung wollen, für gleiche soziale und politische Rechte eintreten und sich gegen Krieg als 'Konfliktlösung' wenden.
Austausch und Alternativen Wie in Porto Alegre und Mumbai sollen die Sozialforen eine offene Begegnungsstätte zum Austausch von Erfahrungen und Meinungen sein und zur Vertiefung der Reflexion zwischen den verschiedenen Bewegungen, die sich dem Neoliberalismus widersetzen, beitragen. Es soll auch die Möglichkeit schaffen, weiterhin über die Formulierung konkreter Positionen nachzudenken und Alternativen und effiziente Aktionen zu entwickeln. Wir glauben, dass Sozialforen eine noch größere Breite und damit ein mehr an Stärke gegen die Umverteilung von unten nach oben, globale Ungerechtigkeiten und nationalistische Borniertheit entwickeln können. Genauer gesagt, geht es nicht nur darum, die Notwendigkeit einer anderen Welt im Dienst der Menschen zu betonen, sondern aufzuzeigen, dass diese andere Welt möglich ist! Gleichzeitig müssen Mittel und Wege zu ihrer Verwirklichung skizziert werden.
Bunt Vielfalt ist unsere Stärke. Sie liegt an der Bereitschaft, auch unterschiedliche Positionen zu respektieren, voneinander zu lernen und in dem Willen, verschiedene Blickwinkel nicht zu verleugnen, sondern die Auseinandersetzung zu strukturieren, um die Debatte voranzubringen.
Vernetzung Der Neoliberalismus hat Dimensionen erreicht, die Widerstand bitter nötig machen. An die vielen kleinen Verschlechterungen, die in Folge der Globalisierung der Weltwirtschaft angeblich unausweichlich seien, hatten wir uns schon fast gewöhnt. Die Proteste des ÖGBs gegen die 'Pensionskürzungsreform' mit den größten Streiks der Nachkriegsgeschichte, die unzähligen Veranstaltungen gegen den Krieg und die Besatzung im Irak und zuletzt der Streik der EisenbahnerInnengewerkschaft gegen die Zerschlagung und Privatisierung der ÖBB haben gezeigt, dass der Unmut und Widerstand wächst. Gegen die unsägliche Sachzwangpolitik agieren viele schon seit Jahren. Die neoliberale Ideologie wurde und wird begleitet von der Suche nach dem Sündenbock: Jugendliche seien nur an Spaß interessiert, RentnerInnen zu reich, MigrantInnen zu viele, Arbeitslose zu faul. Gegen solche Ausgrenzungspolitik möchten wir eine konsequente Solidarität setzen.
Verteilungsfrage???- Das Vermögen der drei reichsten Milliardäre hat sich seit 1994 verdreifacht und ist größer als das Bruttoinlandsprodukt der 48 ärmsten Länder.
- Hingegen könnte laut UNO die jährliche Abgabe von 1% des Reichtums der 200 weltweit reichsten Personen die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung für alle Menschen sichern. Ein zweites Prozent könnte den Zugang zur Grundbildung für alle schaffen.
Eine andere Welt ist möglich! Nachhaltige Entwicklung und faire Wirtschaftsbeziehungen statt Neoliberalismus, Friede und Solidarität statt Krieg, Soziale Rechte und Gleichheit statt Ausgrenzung, Gleichstellung der Geschlechter statt Unterdrückung, die Überwindung struktureller Zusammenhänge zwischen dem Reichtum im Norden und der Armut im Süden: Das sind die Ansätze, von denen die zahlreichen Sozialforen ausgehen, die in allen Teilen der Welt auf globaler, kontinentaler, nationaler und regionaler Ebene stattfinden. Sie alle sprechen sich für die Erneuerung gesellschaftlicher Strukturen aus und entwickeln konkrete Vorschläge, wie die Menschen und ihre Umwelt in gesellschaftlicher Verantwortung zum Mittelpunkt demokratischer Politik der regionalen und globalen Gestaltung werden können. Daran wollen wir beim ASF in Linz anknüpfen.
Wir brauchen das Sozialforum! - als Raum der Begegnung und der Vernetzung von Ideen und Bewegungen, um die Angst vor Selbstbestimmung zu verlieren und es uns Menschen wieder möglich wird, Wirtschaft und Politik im Sinne unserer eigenen Anliegen und Bedürfnisse zu gestalten. Damit uns das gelingt, bedarf es der Zusammenarbeit und des Austausches aller - im Respekt vor unserer Unterschiedlichkeit in Geschlecht, Herkunft, Weltanschauung und Konfession -, womit die Konturen einer anderen - besseren - Welt sich abzuzeichnen beginnen.
Überregionales ASF-Vorbereitungstreffen, 31.01.2004 - Linz www.socialforum.at
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