Sand im Getriebe (SiG) #29
internationaler deutschsprachiger Rundbrief der ATTAC-Bewegung

Marx, Gramsci und die Philosophie des Widerstandes
Aufruf der Versammlung der Sozialen Bewegungen
Manifest der Europäischen Versammlung zum Thema Frauenrechte
Agenda der Sozialen Bewegungen, Teil 1/2
Agenda der Sozialen Bewegungen, Teil 2/2
Das ESF - Ideen für die linke Bewegung
Erste Bilanz des Europäischen Sozialforums 2003 sowie Vorschläge zum dritten Sozialforum
Rückblick auf eine medienpolitische Anti-ESF-Kampagne
Die Rolle der Sozialforen

Agenda der Sozialen Bewegungen
im Anschluss an das 2. Europäische Sozialforum, November 2003 - Paris
Teil 1/2


Wir dokumentieren die Vielfalt der Versammlungen während des ESF. Alle Themen der 20-seitigen Agenda sind hier aufgelistet, ebenfalls die Kontaktadressen, web-Seiten sowie die meisten Vereinbarungen.
Einen großen Dank an die ÜbersetzerInnen von coorditrad, die schnell 'zwischen den Jahren' mehrere Texte der Agenda übersetzt haben!


I. Für ein Europa, in dem grundlegende Rechte anerkannt werden
Recht auf Wohnen
Die Sans-Papiers
Petition der Million
Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverträge
30.10.2004 Euromarches-Aktionstag
Für die Rechte der Frauen
Roma
Demokratische Rechte: Seminar-Vorschlag
Demokratische Rechte: Aktionstag am 08.05.2004 - Rom
Consulta
Die Demokratie radikal demokratisieren

Gegen den Krieg

Gegen den Neoliberalismus
Gesundheit
Schule und Bildung
Balkanvernetzung für die interkulturelle Bildung
Kommunikation und Information
Kultur
Sport
Wasser
Keine neuen Atomreaktoren in Europa
Genmodifizierte Organismen (GmOs)
Internationales Forschungs-Treffen zu Sozialen Bewegungen



I. Für ein Europa, in dem grundlegende Rechte anerkannt werden


Recht auf Wohnen
Am 27.11.2003 hat ein Forum für das Recht auf Wohnen stattgefunden:
www.habitants.org
Kontakt

Die Sans-Papiers
31. Januar 2004 Europäischer Aktiontag der Sans-Papiers, MigrantInnen und Flüchtlinge für die Legalisierung der Sans-Papiers (Menschen ohne Papiere) und für die Schließung der Abschiebezentren


Nach einem Austausch ihrer Analysen zur Situation der Sans-Papiers in den verschiedenen europäischen Ländern sowie ihrer Erfahrungen als AktivistInnen wenden sich die Unterzeichnenden an alle Teilnehmenden des Europäischen Sozialforums (ESF) und an das Organisationssekretariat und:
  1. unterstreichen, dass die Sans Papiers nur die sichtbare Spitze eines Eisberges der zunehmenden Verunsicherung sind, die sich auf die anderen MigrantInnen und anschließend auf die Gesamtheit der anderen ArbeiterInnen erstreckt;
  2. unterstreichen den besonderen Stellenwert, den die Sans-Papiers im Prozess der Umstrukturierung der Arbeitswelt durch die generelle Unsicherheit der Arbeitsplätze innehaben;
  3. unterstreichen konsequenterweise die zentrale politische Bedeutung des Kampfes der Sans-Papiers;
  4. schlagen auf europäischer Ebene sechs Forderungsachsen vor:
    • Legalisierung aller Sans-Papiers in jedem europäischen Land, ohne Kriterien und ohne jegliche Bedingung;
    • sofortige Schließung der Abschiebezentren in allen europäischen Ländern;
    • Aufhebung des rassistischen Schengener Abkommens;
    • Freizügigkeit und Niederlassungsfreiheit;
    • Anerkennung einer Wohnsitzbürgerschaft für alle;
    • Respektierung eines echten Asylrechts in allen Ländern Europas;
Die Unterzeichnenden schlagen dem ESF vor, unverzüglich zwei Maßnahmen zu beschließen:
  1. Organisierung eines europäischen Aktiontages für die Legalisierung der Sans-Papiers und für die Schlie0ung der Abschiebezentren (31. Januar 2004);
  2. Organisierung eines ESF-Themenschwerpunktes Immigration und Sans-Papiers

Saint-Denis, 13. November 2003

Erstunterzeichnende:
Act Up (Paris), Coordination Nationale des Sans Papiers, Droits Devant!! (Frankreich) - Comitato Immigrati, Confederazione Cobas, Tavolo Migranti del Social Forum Italiani (Italien) - Kein Mensch ist illegal, The Voice, The Caravan, Kanak Attak, Flüchtlingsinitiative Brandenburg, Gesellschaft für Legalisierung (Deutschland) - Coordination Nationale des Sans Papiers (Schweiz) - Barbed Wire Britain, Kent Refugee to Defend Asylum Seekers, No one is illegal, Crossroad Women's Center (England) - Ambassade universelle (Belgien) - Federacio de Collectius d'Immigrantes a Catalunya (Spanien)

Kontakt und Information

1) Damit sind die Menschen gemeint, die ohne gültigen Aufenthaltspapiere sind.

Ehrenamtliche Übersetzung:
Karin Ayche - coorditrad, sig-mdv,bw

Link-Empfehlungen der SiG-Redaktion:
http://sanspapier.eu.ouvaton.org
www.gisti.org/dossiers/sans-papiers/
www.sans-papiers.ch, www.sans-papiers-basel.ch,
www.asyl-in-not.at, www.gleicherechte.at

Petition der Million

Nachstehend finden Sie den Text einer Petition für die Ausdehnung der Unionsbürgerschaft auf alle Personen, die in der EU ansässig sind, ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit. Damit diese Petition ihr Ziel erreicht, muss sie mehr als eine Million Unterschriften aus allen Ländern der EU tragen. Um dieses Vorhaben zum Erfolg zu führen, suchen wir Partner, die sich um die Organisierung der Kampagne und um das Sammeln der Unterschriften in den einzelnen Ländern der EU kümmern.
(Die Petition liegt in den verschiedenen Sprachen der EU vor.)

Wir sind alle gleich! Wir sind alle Bürger!
Eine Million Unterschriften für eine UnionsbürgerInnenschaft für alle
in der Europäischen Union ansässigen Personen


Im Entwurf des Vertrags über eine Verfassung für Europa ist, wie auch in den bisherigen Verträgen, festgelegt, dass Unionsbürger derjenige ist, der 'die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats besitzt'. Diese Bestimmung, durch die 15 Millionen Personen - Angehörige aus Drittstaaten - von der Unionsbürgerschaft ausgeschlossen sind, ist für uns heute wie schon seit jeher inakzeptabel.
Wenn die Verfassung angenommen wird, ist darin vorgesehen (Artikel I-46-4), dass mindestens eine Million Bürgerinnen und Bürger aus mehreren Mitgliedstaaten eine Initiative der Kommission fordern können. Aus diesem Grund starten wir diese Petition, durch die in verschiedenen Ländern der EU mehr als eine Million Unterschriften gesammelt werden soll, um eine neue Definition der Unionsbürgerschaft zu fordern:
'Unionsbürgerin oder Unionsbürger ist, wer im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats ansässig ist oder die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats besitzt.'

Ungeachtet der Zukunft des Entwurfs einer Verfassung werden die Unterschriften an die Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union, an die Kommission und an das Europäische Parlament weitergeleitet.

Senden Sie Ihre Unterschriften an:
Ligue des Droits de l?omme (Liga für Menschenrechte)
F- 75018 Paris - 138, rue Marcadet
per Fax: +33 1 42 55 51 21
per E-Mail
www.fidh-ae.org
www.fidh-ae.org

Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverträge
'Die Arbeitslosen und die Menschen mit prekären Arbeitsverträgen werden an der Mobilisierung gegen den Krieg am 20. März teilnehmen. Am 19. März werden sie in Brüssel eine Konferenz über die sozialen Rechte in dem erweiterten Europa durchführen. ... Sie werden schließlich ihren Wanderstock am 1. Mai nehmen und nach Rom zum 9. Mai marschieren, um an den Aktionen anlässlich der Proklamation der europäischen Verfassung teilzunehmen.'
Kontakt

30. Oktober 2004 Aktionstag in allen europäischen Ländern 'Für alle ein gesichertes Einkommen'
www.euromarches.org

Für die Rechte der Frauen
8. März 2004: Europäischer Tag für die Rechte der Frauen
22-23. Mai 2004: Forum und Kundgebung in Galicien für die Entwicklung einer feministischen Plattform vor den Europa-Wahlen
25. November 2004: Internationaler Aktionstag zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen

Kontakt

Roma
Der größte Teil der zehn Millionen Roma in Europa leben in einer Situation des Elends und der Diskriminierung, die nur immer schlimmer wird - trotz diverser Programme, die sie angeblich verbessern sollen. Es ist also unverzichtbar, die Politik neu auszurichten und dabei nicht nur die direkte Diskriminierung zu berücksichtigen, sondern auch subtilere Formen der Ausgrenzung und Entmenschlichung, insbesondere Bevormundung, Korruption, falsche Darstellung, Doppelzüngigkeit und andere Formen der Manipulation.

Unverzichtbar sind daher:
  1. die Anerkennung des Nazi-Genozids an den Roma, Sinti und Kalé in den Nacheifererstaaten des Nationalsozialismus vor und während des Zweiten Weltkriegs;
  2. die Forderung nach Zugang zu den Grundrechten und ihre Durchsetzung für alle Roma, insbesondere in den Bereichen Erziehung, Ausbildung, Gesundheit, Wohnen und Arbeit;
  3. die Ablehnung und entschiedene Verurteilung, bis hinauf auf die höchste europäische Ebene, sämtlicher Gewalttaten von Seiten der Polizei gegen die Roma: Schläge, völlige oder teilweise Zerstörung von Wohnstätten sowie anderen Gütern wie Musikinstrumenten; Verwendung von Tränengasgranaten im Innern von Wohnungen, Einschüchterung und Brutalität gegenüber Kindern, Trennung von Familien etc.;
  4. die Anerkennung des Volkes der Roma in der europäischen Verfassung, mit seiner Sprache und Kultur und als integraler Bestandteil der nationalen Vielfalt Europas die Forderung nach:
    • Streichung aller Texte und aller Projekte, die direkt oder indirekt die Freizügigkeit und den freien Wohnsitz von Personen behindern;
    • Rücknahme des Konzepts des 'sicheren Landes', welches das Asylrecht seines Inhalts beraubt, anstatt es im Gegenteil zu erweitern.
  5. die Förderung und Subventionierung sämtlicher Initiativen, die darauf hinarbeiten:
    • den Beitrag der Roma zu Europa aufzuwerten;
    • institutionelle, finanzielle und andere Mittel bereitzustellen, damit die Roma sich nach ihren eigenen Vorstellungen auf demokratische und kompetente Weise organisieren können.
  6. die Ausarbeitung von wirksamen Strategien des Kampfes gegen alle Formen von Fremdenhass, Diskriminierung, Rassismus und zigeunerfeindlicher Stigmatisierung, egal ob von Seiten der Staatsorgane, von Volksvertretern oder Einzelpersonen oder auch bei den Roma selbst.
Diese Leitlinien fügen sich natürlich ein in das Projekt des Aufbaus eines anderen, offenen, solidarischen, pluralistischen Europa, das die vielfältigen Völker, aus denen es besteht, respektiert.

Die Mobilisierung hinsichtlich dieser Forderungen ist noch neu und fragil. Sie muss daher durch vielfache gemeinsame Aktionen verstärkt werden.

Ehrenamtliche Übersetzung:
Karin Ayche -
coorditrad, sig-mdv, bw

Demokratische Rechte
Seminar-Vorschlag 'Der (Un)sicherheitsstaat': u.a. Aktionstag gegen die 'Anti-Terrorgesetze';

Termin noch unklar

Beteiligte Organisationen:
Campaign Against Criminilization of Communities (England), M.I.B. (Frankreich), Tavola Migranti (Italienisches Sozialforum), Network of Social and Political Rights (Griechenland), Next Generation Network

Rom, 8. Mai 2004: Versammlung 'Für ein demokratisches und friedliches Europa, in dem Gleichheit und BürgerInnenrechte verwirklicht werden'
(Vorbereitung auf nationaler Ebene.)

Consulta
Ziel ist die partizipative Demokratie.
Vier Schwerpunkte der lokalen Arbeit: Soziale und Bürgerrechte; Krieg; Wirtschaft und Nord-Süd-Beziehungen; Umwelt.
Während der Europawahlen werden wir die Meinung der Menschen zu diesen Themen erfragen.
www.consultaeuropea.org
Kontakt

Die Demokratie radikal demokratisieren

Vorschlag des Netzwerks:
Die Demokratie radikal demokratisieren (DRD)

Während des ESF 2003 haben europäische Bürger-Netzwerke, gemeinsam mit solchen aus Lateinamerika und Afrika, während drei Tage aufzeigen können, wie die BürgerInnen die von ihnen Gewählten kontrollieren, mit ihnen die Macht teilen und mit ihnen gemeinsam Veränderungen in ihrer Stadt in Angriff nehmen können. Es ist in besonderer Weise untragbar, dass den Bürgern gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem sie einen wirklichen Einfluss auf die Zukunft ihrer Stadt ausüben können, jede Möglichkeit genommen wird, die Zukunft dieses viel weitläufigeren Territoriums zu bestimmen, wie Europa es darstellt.

Wir fordern die Europäische Versammlung der Sozialen Bewegungen dazu auf, europaweit eine Kampagne zu initiieren, mit dem Ziel, dass die BürgerInnen des östlichen wie des westlichen Europa über die Inhalte der Verfassung abstimmen dürfen.

Wir wollen eine wirklich demokratische Ausarbeitung dieser Verfassung. Zu diesem Zweck fordern wir, dass die BürgerInnen der 25 europäischen Länder für ein verfassungsgebende Gremium Abgeordnete wählen, die dann die einzelnen Bestimmungen dieser Verfassung auszuarbeiten haben. Diese Abgeordneten werden regelmäßig von den europäischen Parlamenten kontrolliert, vor denen sie über den Fortschritt der Arbeit Rechenschaft abzulegen haben.
Wir wollen also eine Kampagne für eine verfassungsgebende Versammlung, die unsere Forderungen berücksichtigt.

Dieser Vorschlag, dessen Inhalt Gegenstand einer Debatte im Seminar 'Partizipative Budgets für eine Erneuerung der Demokratie in Europa' gewesen ist, wird vom Internationalen Netzwerk 'Die Demokratie radikal demokratisieren' unterstützt.

Aufruf des Netzwerkes:
'Die Demokratie radikal demokratisieren' (DRD)
Wir rufen dazu auf, eine energische Kampagne für einen verfassungsgebenden Prozess zu beginnen, in dem die BürgerInnen der europäischen Länder das Projekt der Europäischen Verfassung in allen von ihnen gewünschten Formen zum Gegenstand von Diskussionen machen.
Wir rufen dazu auf, einen öffentlichen Raum der BürgerInnen zu schaffen, in dem sie sich den Herausforderungen der Entwicklung einer Verfassung stellen. Für eine solche Entwicklung sind Verantwortung und Solidarität, das Bewusstsein einer vielfältigen Zugehörigkeit zur Welt und der gemeinsame Wunsch einer Zukunft des Friedens, der Gerechtigkeit und der Menschenwürde erforderlich.
Wir rufen dazu auf, das Moratorium hinsichtlich des GATS mit den Städten, die sich für außerhalb des GATS stehend bezeichnet haben, zu unterstützen, und diese Grundhaltung zum Gemeingut aller Städte, Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene werden zu lassen.

Kontakt Ehrenamtliche Übersetzung:
Otto Nigsch, Helga Heidrich - coorditrad,
sig-mdv, bw



II. Gegen den Krieg

Beschlüsse der Versammlung gegen den Krieg:


III. Gegen den Neoliberalismus

Gesundheit ist ein soziales Recht, keine Ware:
Zugang für alle zu der gesamten öffentlichen Gesundheitsversorgung: Erhöhung der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit; Kontrolle der Versorgung durch die BürgerInnen; Recht auf Gesundheit muss in die europäische Verfassung
Kontakt

Schule und Bildung:
Gegen die Privatisierung der Schulen. Bildung ist keine Ware.

Vorschlag eines europäischen Forums zur Verteidigung der öffentlichen Bildung noch 2004 und Tag der Bildung, der Forschung und der Kultur im Frühjahr 2004
Kontakt und Information

Balkanvernetzung für die interkulturelle Bildung
Kontakt

Kommunikation und Information
Evtl ein Forum der unabhängigen Kommunikation und gegen die Privatisierung der Kommunikation im April 2004
www.crisinfo.org, www.acrimed.org

Kultur
6. März 2004: Europäischer Tag der kulturellen Aktion:

In den wichtigsten europäischen Städten sollen auf Skulpturen Fotos von Immigranten angebracht werden, die beim Versuch, in die 'Festung Europa' einzutreten, gestorben sind und/oder von Frauen, die Opfer des Menschenhandels geworden sind. Damit soll die Frage aufgeworfen werden: 'Wer entscheidet nach welchen Kriterien, für wen ein Denkmal errichtet wird?'
Kontakt

Paris, 6. März 2004: Zweite europäische Versammlung der Kämpfe und Widerstände in Kunst und Kultur
Kontakt

Sport
Athen, 1.-4. Juli 2004: Gegen die Olympischen Spiele: Weiterführung der Kampagne und Camp für alternativen Sport

Kontakt

Wasser
22. Februar 2004: Internationaler Tag gegen die Privatisierungen; Wasser ist keine Ware!


Keine neuen Atomreaktoren in Europa,
für Energiesparen und erneuerbare Energien
Europäische Demonstration
Samstag, 17. Januar 2004 in Paris
Beginn: 14 Uhr, Place de la République


Die französische Regierung will Anfang 2004 über den Bau eines Atomreaktors vom deutsch-französischen Typ 'Europäischer Druckwasser-Reaktor (EPR)' entscheiden. Diese Entscheidung ist nicht legitimiert, da die 'nationale Debatte über Energie', die im Frühling 2003 in Frankreich stattfand, auf nicht demokratische Weise organisiert wurde, ohne dass die Bürger und Bürgerinnen sich an der Diskussion beteiligen durften.

Der Atomkraftwerkshersteller AREVA strebt den Bau des EPR aus wirtschaftlichen und finanziellen Erwägungen heraus an, die nichts mit den gemeinsamen Interessen der Bürgerinnen und Bürger und zu tun haben.

Hinzu kommt, dass auch die finnische Regierung einen neuen Atomreaktor bauen möchte, und Loyola de Palacio, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, unterstützt die Projekte der europäischen Atomindustrie.

Es ist nicht akzeptabel, neue Atomreaktoren wie den EPR zu bauen, welcher dieselben Defizite wie die herkömmlichen Reaktoren aufweist (Produktion von Atommüll, Gefahr einer Atom-Katastrophe) und die Situation nur verschlechtern könnte.

Die unterzeichnenden Vereinigungen, Gewerkschaften und politischen Organisationen rufen auf zur europäischen Demonstration am Samstag, dem 17. Januar 2004 in Paris und fordern für Europa:
  • den Verzicht auf jegliches Projekt zum Bau neuer Atomkraftwerke
  • die unverzügliche Einführung eines ambitionierten Plans zum Energiesparen und für die Entwicklung Erneuerbarer Energien
  • eine wirkliche Debatte über die Energie-Alternativen

Deutschland: Atomplenum Hannover, Gewaltfreie Aktion/Atomwaffen Abschaffen, IPPNW-Deutschland, BIgA, Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V, BUNDjugend Baden-Wuerttemberg, Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V, BUND-Regionalverband südlicher Oberrhein
Österreich: Oberösterreichische Plattform gegen Nukleare Gefahren, Stop Temelin, PLAGE
Schweiz: Contratom, PSR/IPPNW, Forum pour la démocratie directe, Sortir du nucléaire Suisse, SolidaritéS, GSsA, Parti Socialiste/Jeunesses socialistes du Valais Romand

Liste weiterer UnterzeichnerInnen

Kontakt:
Reseau 'Sortir du nucléaire'
F-69004 Lyon - 9 rue Dumenge
Tel: +33 478 28 29 22 oder +33 664 100 333
www.sortirdunucleaire.org (auch .ch bzw. .ca)

Abschlusserklärung des ESF-Seminars
'Genmodifizierte Organismen (GmOs), Patente, Saatgutmonopole:
Widerstandskämpfe und alternative Vorschläge für Europa'


Auf diesem Seminar wurden die - insbesondere - 1996 in Rom verabschiedeten, auf dem WSF in Porto Alegre wieder aufgenommenen, dann auf dem Forum über Ernährungshoheit in La Havanna nochmals in Erinnerung gebrachten und schließlich 2002 auf dem Forum für Ernährungshoheit in Rom als gemeinsame Aktionen erklärten Empfehlungen weitergeführt, vertieft und aktualisiert.

Von den Teilnehmenden am zweiten ESF werden folgende Beschlüsse gefordert:

1. Für ein GmO-freies Europa:
  • Das europäische Moratorium soll ohne Einschränkung aufrechterhalten werden;
  • Nulltoleranz für die Ein- und Ausfuhr von GmO (Saatgut wie fertige Produkte);
  • Die BürgerInnen müssen das Recht haben, die Weichenstellungen der staatlichen Forschung im Bereich der Biotechnologien zu kontrollieren;
  • Im Falle einer Verunreinigung durch GmO müssen die Hersteller von genmodifiziertem Saatgut, die Inhaber von Patenten über Saatgut sowie Politiker und Behörden, die die Freisetzung erlaubt haben, zur Rechenschaft gezogen werden können;

2. Keine Patente auf Leben:
  • Keine Patentierung von Bestandteilen lebender Organismen und Saatgut;
  • Totale Transparenz für staatliche Forschung (Finanzierungsquellen inbegriffen) und freier Verkehr von wissenschaftlichem Wissen;
  • BürgerInnen müssen eine Kontrolle über schon bestehende Rechte auf geistiges Eigentum innerhalb der Instanzen für das Recht auf geistiges Eigentum (WIPO), der WTO und im Europäischen Patentamt ausüben können;
  • Kündigung und Neuverhandlung der EU-Patentrichtlinie 98/44 über gentechnologische Erfindungen, die Patente auf Genmaterial betreffen;
  • Ein System von kollektiven Rechten zum Schutz der genetischen Ressourcen soll für die lokalen Gemeinschaften erstellt werden.

3. Schutz des von Bauern/BäuerInnen produzierten Saatguts:
  • Bauern müssen das selbst produzierte Saatgut frei aussäen und mit anderen Bauern austauschen können;
  • Schaffung von Freiräumen außerhalb des gesetzlichen Rahmens oder gegen ihn, wo die Bauern eigenes Saatgut und Können frei austauschen und weiterentwickeln können;
  • Jeder Staat muss seine Landwirtschaft gegen die Invasion genmodifizierter Pflanzen und Organismen verteidigen dürfen, um (zum Beispiel) die Millionen von Kleinbauern Osteuropas, die ihr eigenes Saatgut produzieren, zu schützen;
  • Umsetzung der EU-Richtlinie 98/95, die einen gesetzlichen Rahmen für bäuerliches Saatgut vorsieht;
  • Kontrolle der Saatgutindustrie durch die Bürger, damit Versuche der Saatgutmonopolerrichtung verhindert werden können;
  • Einsatz von öffentlichen Forschungsmitteln für eine nachhaltige und umweltfreundliche Landwirtschaft;
  • Weiterentwicklung der Saatzucht im Feld in Zusammenarbeit mit und unter Führung der Bauern.

4. Weltweit:
  • Umsetzung durch alle europäischen Regierungen des am 11. September 2003 in Kraft getretenen Cartagena-Protokolls zur biologischen Sicherheit (Biosafety-Protokoll);
  • Ausdehnung des europäischen Moratoriums auf Versuche in nicht abgeschlossenem Milieu;
  • Konsequente Verweigerung aller Lebensmittelzusätze, die gentechnische Bestandteile enthalten;
  • Die Ablehnung und das Verbot aller Arten von Terminator- oder GURT-Technologie;
  • Die demokratische Beteiligung der europäischen Bevölkerungen mittels der Einrichtung von Bürgerkonferenzen in ganz Europa und die Berücksichtigung ihrer Meinungen bei jeder Entscheidung, die den Bereich des Lebenden betrifft.

Die eindeutige Entscheidung für ein gentechnikfreies Europa gewährleistet wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Wahl einer nachhaltigen Landwirtschaft für unseren Kontinent.
Wir werden darauf achten, dass unsere europäischen Errungenschaften die biotechnologischen Unternehmen nicht dazu animieren, sich anderer Länder zu bemächtigen, die nicht die gleichen Möglichkeiten des Schutzes besitzen wie wir.
Es ist unumgänglich notwendig, unsere europäischen Strategien im Verbund mit allen anderen Ländern der Welt auszuarbeiten.

Saint-Denis - Frankreich, 13. November 2003

Ehrenamtliche Übersetzung:
Alfrun Faure-Brac -
coorditrad, sig-mdv, bw

Internationales Forschungs-Treffen zu Sozialen Bewegungen
Barcelona, 22.-25. Januar 2004


Der Sinn dieses Treffens ist die Einrichtung eines Raumes der Begegnung, des Austausches, der Selbstformierung und Debatte der 'Sozialen Bewegungen' (SB) in Bezug auf Forschung und Informationssammlung durch Handelnde.
Wir stehen der akademischen Forschung kritisch gegenüber, die SBs als reine Studien-'Objekte' betrachtet und die Folgen der disziplinären Unterschiede. Wir laden alle interessierten Menschen und Gemeinschaften ein, sich daran zu beteiligen, dieses Wissen (wieder) zu erschaffen, zu (über)denken, (wieder) zu erfinden, (wieder) in Besitz zu nehmen und an der Bildung eines Fokusses auf die Forschung und Informationssammlung durch die Handelnden.

Wer organisiert diese Arbeitstreffen?
Diese Initiative kommt von einer Gruppe von Leuten, die in der Forschung über SB arbeiten; manche von autonomen/ selbständigen Bereichen und andere, die in engerer Zusammenarbeit mit akademischen Institutionen tätig sind, jedoch versuchen die engen Grenzen des Akademischen zu überwinden. Die logistische Arbeit wird erledigt durch Personen, die im urbanen Bereich von Barcelona leben, einem organisatorisch offenen Komitee, das bereits zusammengesetzt wurde, aber wir möchten nicht, dass die Arbeitstreffen nur von diesem entworfen werden.

Wir sehen uns im Januar!
www.investigaccio.org
Kontakt

Ehrenamtliche Übersetzung:
Paul Woods - coorditrad, sig-mdv, bw