Sand im Getriebe (SiG) #29
internationaler deutschsprachiger Rundbrief der ATTAC-Bewegung

Bewegung macht Geschichte
Osterweiterung: Vom Drang nach Osten zur peripheren EU-Integration
Das Andere Davos, 17.-21.01.2004
Öffentliche Wasserversorgung durch den Binnenmarkt bedroht!
Attac Frankreich und die französischen Wahlen von 2004

Das Andere Davos
Widerstand gegen die Globalisierung des Kapitals - für Alternativen von unten
Internationale Konferenz, Workshops, Theater
17. Januar 2004, 10.00 -19.30 Uhr
im Volkshaus Zürich, Stauffacherstraße 60

zum Programm

Blockade-Workshop gegen das WEF in Zürich, 18.01.2004
Block the WEF!, 21.01.2004


Globalisierung der Gewalt -
Imperialismus und globale Enteignung


«Partnering for Security and Prosperity» - «Zusammen für Sicherheit und Wohlstand» - heisst das Motto des diesjährigen World Economic Forum (WEF), welches vom 21. zum 25. Januar die 1000 grössten transnationalen Unternehmen und politischen Führer zusammenbringt, um gemeinsam «den Zustand der Welt zu verbessern».

Das Jahr 2003 hat deutlich gemacht, wessen Sicherheit geschützt wird: Der Krieg wird von der US-Regierung als legitimes Mittel zur Durchsetzung ökonomischer und geostrategischer Interessen durchgesetzt. Diese neue Entwicklung des Imperialismus findet im Irak ein tragisches Anschauungsbeispiel: Um sich natürliche und menschliche Ressourcen anzueignen, gehen die Invasoren über Leichen. Die Europäische Union verfolgt keine grundsätzlich andere Perspektive, sondern wetteifert mit den USA um globale Einflusssphären, wie zuletzt die Auseinandersetzung in der Welthandelsorganisation (WTO) in Cancún gezeigt hat.
Vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Rezession führen die herrschenden Klassen auch in der Schweiz einen regelrechten sozialen Krieg gegen die Lohnabhängigen: Ihre neoliberale Politik besteht aus der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, dem Abbau demokratischer Rechte und erkämpfter Errungenschaften, Angriffen auf soziale Bewegungen und Organisationen der ArbeiterInnenbewegung, dem Ausbau von Polizeistaat und Repression und dem Ausverkauf der sozialen Sicherung und der öffentlichen Dienstleistungen.

Auf der anderen Seite wächst der Widerstand gegen diese Globalisierung der Gewalt: immer mehr Menschen setzen sich aktiv für eine andere Welt ein. Neben gemeinsamen gewerkschaftlichen Aktionen und der wieder erstarkten Antikriegsbewegung sind neue soziale Bewegungen entstanden. Ausdruck davon ist das Weltsozialforum (WSF), das seit 2001 in Brasilien und im Jahr 2004 erstmals in Indien stattfindet. Ein Grosserfolg war 2003 auch das Europäische Sozialforum in Paris: Rund 50.000 TeilnehmerInnen arbeiteten zusammen, um am ersten Europäischen Sozialforum von Florenz anzuknüpfen. Die damals erfolgte Vernetzung der Proteste gegen den Irakkrieg ermöglichte die beeindruckenden Demonstrationen des 15.Februar 2003, auf denen Millionen von Menschen weltweit der Forderung nach Frieden Ausdruck verliehen.

Nun hat das Europäische Sozialforum zwei weitere internationale Mobilisierungsdaten angekündigt: am 20. März 2004 soll weltweit gegen die Besatzung im Irak protestiert werden. Und Anfang April 2004 soll ein erster weltweiter Aktionstag gegen Sozialabbau durchgeführt werden.
Um diese Mobilisierungen auch in der Schweiz entsprechend vorzubereiten, lädt das Andere Davos ein, in verschiedenen Workshops und Konferenzen mit VertreterInnen der Antikriegsbewegung, der Gewerkschaften und von Widerstandsbewegungen aus Europa, den USA und Lateinamerika zu diskutieren und der kapitalistischen Globalisierung der Gewalt konkrete Antworten von unten entgegenzustellen.

Das Andere Davos
Das Andere Davos fand zum ersten Mal im Januar 1999 in Zürich statt. Auf Initiative von attac und weiteren internationalen Netzwerken trafen sich zum ersten Mal VerteterInnen von sozialen Bewegungen aus verschiedenen Kontinenten. Dieses Treffen war eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Weltsozialforum, welches Ende 2001 erstmals in Porto Alegre durchgeführt wurde.

An den darauf folgenden Ausgaben des Anderen Davos haben in den letzten Jahren im Zürcher Volkshaus je rund 1000 Personen teilgenommen und dazu beigetragen, dass die heute von attac schweiz organisierte und von zahlreichen Organisationen mitgetragene internationale Konferenz ein wichtiger Ort des Widerstands und der Ausarbeitung von Alternativen geworden ist.

Das Programm im Überblick

1. Der Krieg in Irak, ein Jahr danach
Millionen von Menschen protestierten gegen den Irak-Krieg. Ein knappes Jahr danach stellen sich der Bewegung neue Fragen: Was steckt genau hinter der Strategie Bush-Administration? Wie weiter mit der Antikriegsbewegung?

2. Gewerkschaften und soziale Kämpfe in Europa
Die Bewegungen gegen die 'Rentenreformen' in vielen Ländern Europas drücken eine wachsende Unmut gegen die Zerstörung von sozialen Errungenschaften aus. Wie können Gewerkschaften und soziale Bewegungen diesen Widerstand stärken?

3. Neuer sozialer Widerstand in Südamerika und die Macht der Multis
In verschiedenen Ländern Lateinamerikas treten neue soziale Bewegungen auf, die für die globalisierungskritische Bewegung von allgemeinem Interesse sind. Ihre Kritik richtet sich zunehmend auch gegen Multinationale Konzerne, die mit ihren Geschäftspraktiken soziale und ökologische Gesetze umgehen und Menschenrechte verletzen.
Info und Erarbeitung von Kampagnenstrategien mit VertreterInnen von Bewegungen, Gewerkschaften, NGOs und Aktionsgruppen.

4. Hände weg vom Service Public!
Die in der Schweiz anhaltende Politik der Liberalisierung und Privatisierung betrifft nun auch Schulen und Universitäten. Dagegen haben sich im Herbst 2003 in verschiedenen europäischen Ländern die Studierenden zur Wehr gesetzt.

Zum Programm im Detail:
www.otherdavos.net/Pages_web/german/programger.html

Das Andere Davos wird unterstützt durch (Stand 15.12.): Schweizerischer Gewerkschaftsbund (SGB), Verband des Personals der öffentlichen Dienste (VPOD), Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI), Comedia, Solifonds, FemCo, Gesamtschweizerisches Antikriegsbündnis, Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, «Kampagne für Menschenrechte» (attac, Gewerkschaften, Hilfswerke, Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien), Südamerika-Soligruppen, Bewegung für den Sozialismus, Grüne Schweiz, solidaritéS, Erklärung von Bern, Focus on the Global South, Amis Suisses du Monde Diplomatique, Aktionsgruppe Bologna (Basel), Aktionskomitee gegen Bildungsabbau (Zürich)…


Blockade-Workshop gegen das WEF in Zürich
Sonntag, den 18. Januar 2004
Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben (siehe
http://www.blockadenetz.ch)

Gegen das WEF sind am 21. Januar 04 zwischen Zürich und Davos Blockadeaktionen geplant. Für die letzten Vorbereitungen findet am 18. Januar 04 in Zürich ein praxisorientierter Workshop statt. Gruppen und Einzelpersonen, die sich aktiv an einer gewaltfreien Blockade beteiligen möchten, sind willkommen. Der Workshop wird von einem erfahrenen Castor-Blockadeaktivisten aus Deutschland geleitet.


Block the WEF!
Atelier der Anti-WTO Koordination Bern mit Infos zu den gewaltfreien Blockade-Aktionen gegen das WEF vom 21. Januar 04.

20.00-22.00: Podiumsdiskussion:
Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung

Mit Tariq Ali (Schriftsteller, Stop the War Coalition, England); Florence Carboni (Universität von Porto Alegre, Brasilien); Lindsey German (Stop the War Coalition, England); David Harvey (Geograph, New York). Gesprächsleitung: Alessandro Pelizzari (attac schweiz)


Organisation: attac schweiz
Infos:
www.otherdavos.net

Kontakt und Anmeldung:
schweiz@attac.org
attac schweiz
CH-1205 Genf, Rue des Savoises 15
Tel +41 (0)22 800 10 40