| | Was ist jetzt zu tun? Ein Friedensplan von David Cortright
In den letzten sechs Monaten erlebten wir die Entstehung einer massiven Anti-Kriegs-Bewegung. Fast schien es, als könnten die Kriegspläne der USA durchkreuzt werden. Jetzt, da der Krieg sogar ohne UN Resolution der Krieg begonnen hat, steht die Anti-Kriegs-Bewegung an einem Scheideweg. Im folgenden stellen wir ein Forum vor, in dem David Cortright eine Diskussion anstößt, welche Ziele die Friedensbewegung in der näheren oder ferneren Zukunft verfolgen sollte.
An seinen Aufsatz schließen drei Erwiderungen an: Ein Plan für Gerechtigkeit von Phyllis Bennis & John Cavanagh Heute der Irak und morgen? von Bill Fletcher Jr. Zu einer weltweiten Bewegung von Medea Benjamin The Nation, April 21 www.thenation.com In Anbetracht der fortgesetzten illegalen und ungerechten militärischen Invasion des Irak, müssen wir uns stärken für die schwierige Zeit, die vor uns liegt. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass unsere Friedensarbeit gerade erst begonnen hat. Wir dürfen nicht aufhören mit unserer grundsätzlichen Kritik am Krieg von Präsident Bush und wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen und wir dürfen auch nicht schweigen. Dieser Krieg war und ist vollkommen unnötig. Der Irak wurde längst durch friedliche diplomatische Aktionen entwaffnet. Während der Irak zahlreiche Zugeständnisse zu Forderungen der UNO machte, mit der Zerstörung seiner Lenkwaffen und seine Waffenprogramme offen zu legen begann, griffen die USA an. Krieg ohne Provokation gegen welches Land auch immer ohne Zustimmung des UN Sicherheitsrates verstößt sowohl gegen die UN Charta als auch gegen US und internationales Recht. Ein Krieg wie dieser ist niemals zu rechtfertigen. Der Ausbruch des Krieges macht unsere Arbeit noch wichtiger und notwendiger denn je. Wir stehen enormen neuen Herausforderungen gegenüber, aber es eröffnen sich auch neue Möglichkeiten. Wir müssen eine breit angelegte Kampagne organisieren, um auf die Ursachen und die Folgen dieses Krieges hinzuweisen, mit dem Ziel, ein derart sittenwidriges Abenteuer in Zukunft zu verhindern. Zuerst wollen wir anerkennen, welche großartige Leistungen wir in den letzten Monaten vollbracht haben. Wir haben die größte Friedensbewegung der Geschichte mit der breitesten Basis geschaffen. Eine Bewegung von Millionen von engagierten Menschen hier und auf der ganzen Erde. Nie zuvor haben sich so viele Kirchen in den USA so resolut gegen den Krieg ausgesprochen: Von der katholischen Bischofskonferenz bis zum nationalen Rat der Kirchen. Nie zuvor haben so viele Gewerkschaften die Anti-Kriegs-Bewegung unterstützt. Praktisch in jedem Sektor der Gesellschaft erhoben sich laute Stimmen gegen den Krieg, unter Wirtschaftsmanagern, Frauengruppen, Umweltschützern, Künstlern, Musikern, Afro- und Latino-Amerikanern. In Tausenden Orten fanden Anti-Kriegs-Demonstrationen und Mahnwachen statt. Viele Gemeinderäte haben Anti-Kriegs-Resolutionen beschlossen. Die Tatsache, dass all diese Anstrengungen den Krieg nicht verhindern konnten, beweist nicht, dass unsere Bewegung schwach ist, vielmehr zeigt sie die Mängel der amerikanischen Demokratie und die gewaltige Macht des US Militarismus. Die Bush Administration scherte sich wenig um die öffentliche Meinung weder im eigenen Land noch in der Welt. Sie manipulierte die legitimen Besorgnisse über den Terrorismus und behauptete einen nicht vorhandenen Zusammenhang zwischen dem Irak und Al Kaida. Sie vermied es, das amerikanische Volk und den Kongress über die Kosten einer Invasion und einer Besetzung zu informieren, bis der Krieg bereits in vollem Gange war. Unsere kurzfristige Zielsetzung hängt davon ab, wie sich der Krieg entwickelt. Ob es ein kurzer 'erfolgreicher' Krieg wird, oder ob er sich in die Länge zieht mit ständigen Angriffen von Heckenschützen und Guerilleros. Wir hoffen, dass es möglichst wenige Opfer weder unter den Irakern noch unter den Amerikanern gibt. Aber wir wissen, dass ein schneller Sieg genau jene Politik unterstützt, die wir so sehr ablehnen. Wir fordern von unserer Regierung alles zu unternehmen, damit so wenig wie möglich umkommen und dass sich die Zerstörungen in Grenzen halten. Unsere unmittelbare politische Zielsetzung sollte folgende Punkte und Forderungen enthalten: - Schutz für die Unschuldigen. Die Vereinigten Staaten sollten dem irakischen Volk und anderen gefährdeten Völkern der Region massive humanitäre Hilfe und wirtschaftliche Unterstützung gewähren. Wir sollten den Wiederaufbau und die Entwicklung des Irak unterstützen. Die Hilfe sollte von zivilen Organisationen und nicht vom Pentagon verwaltet werden. Wir sollten exakte Zahlen über die zivilen Opfer verlangen. Wenn sie nicht veröffentlicht werden, sollten wir das tun. - Unterstützung für die Männer und Frauen bei den Streitkräften. Wir bedauern, dass sie von ihrem Oberkommandierenden mit einer unnötigen und schlecht vorbereiteten Mission betraut wurden. Aber wir respektieren ihren Dienst und sind dankbar dafür. Wir verlangen besondere Unterstützung für das aktive Militärpersonal und die Reservisten, die an den Golf entsandt wurden. Wir verlangen vermehrte Aufwendungen zur Behandlung von Gesundheitsschäden, verursacht durch den Einsatz am Golf. Derzeit gibt es 167.000 Kriegsinvalide vom ersten Golfkrieg. Wir lehnen die Kürzungen der Mittel für Veteranen ab, wie sie der Kongress mit seiner republikanischen Mehrheit verfügt hat und wir verlangen für die Veteranen einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung und anderen Begünstigungen. - Bringt unsere Soldaten heim! Wir verlangen den ehest möglichen Rückzug der amerikanischen Streitkräfte aus dem Irak. Wir lehnen langfristige oder ständige US Militärbasen im Irak ab. - Kein Krieg und keine Kriegsdrohungen gegen den Iran. Wir lehnen jeden Versuch ab, den Iran mit der Drohung eines militärischen Angriffs unter Druck zu setzen. Es ist kein Geheimnis, dass die Hardliner in Washington und Israel einen militärischen Schlag gegen den Iran favorisieren als nächsten Schritt im 'Krieg gegen den Terror'. Das wäre noch eine zusätzliche Katastrophe für die Sache des Friedens und wir sollten uns vehement dagegen wehren. - Kein Krieg um Öl. Wir lehnen jedes Ansinnen der USA ab, die Kontrolle über das Erdöl im Irak auszuüben oder an den Erträgen aus der Erdölförderung zu fordern. Das irakische Volk allein soll über sein Erdöl verfügen können. Irak war die erste arabische Nation, welche die Erdölgewinnung verstaatlicht hat. Es muss dem Irak gestattet sein, den Ölreichtum für den Wiederaufbau der Wirtschaft und der Gesellschaft zu nützen. - Frieden im Nahen Osten. Die USA sollen einen echten Friedensprozess zwischen Israel und Palästina aktiv unterstützen. Wir sollten Druck auf beide Seiten ausüben, ein Friedensabkommen anzunehmen, das der Gewalt ein Ende bereitet und zwei souveräne und unabhängige Staaten schafft.
- Hilfe zur regionalen Entmilitarisierung. Das Waffenstillstandsabkommen von 1991 nach dem ersten Golfkrieg definierte die Entwaffnung des Irak als ersten Schritt zur Schaffung einer Zone 'frei von Massenvernichtungswaffen' im Nahen Osten. Nach dem Irak sollten in der ganzen Region alle Massenvernichtungswaffen beseitigt werden. Unsere Antwort auf Krieg und militärische Besetzung des Irak muss auch eine langfristige Vision für eine alternative US Sicherheitspolitik umfassen. Die Bush Administration verlangt wegen des tödlichen Zusammenhangs zwischen Terror und Massenvernichtungswaffen eine radikal neue Außenpolitik mit präventiven Militäraktionen und die einseitige Aufrüstung mit amerikanischer Kriegstechnologie. Diese Politik wurde im Irak angewandt. Wir müssen eine alternative Vision anbieten, die den Terrorismus und die Bedrohung durch seine Ausbreitung ernst nimmt, aber mit einer Strategie für mehr Sicherheit aber mit weniger Aufwand und schließlich mit mehr Erfolg bei der Abwehr dieser Gefahren.
Die Leitlinien unserer alternativen Strategie haben wir in unseren Debattenbeiträgen zum Irak dargelegt. Wir unterstützen die Entwaffnung des Irak, Nord-Koreas und anderer Nationen, die von der internationalen Gemeinschaft als Waffenlieferanten auftreten können. Wir befürworten genaue Kontrollen durch UNO-Inspektoren, um die Entwaffnung zu überprüfen. Wir rufen unsere Regierung auf, mit dem UN Sicherheitsrat auf diplomatischer Ebene zusammen zu arbeiten. Wir sind für gezielte Sanktionen (Kontrolle der Geldströme, Reisebeschränkungen für bestimmte Eliten und ein Waffenembargo) und für andere Mittel, um Staaten, die nicht kooperieren wollen, dazu zu zwingen. Wir sind für die Aufhebung von Sanktionen als Anreiz, um Zusammenarbeit zu erreichen. Wir unterstützen die internationale Kampagne gegen den Terrorismus und verlangen eine bessere Zusammenarbeit, um denjenigen, die für die Anschläge vom 11. September verantwortlich sind, die Geldquellen trocken zu legen. Zugleich fordern wir aber auch eine allgemeine Abrüstung. Die Entwaffnung des Irak muss einhergehen mit einer Entwaffnung der Region und schlussendlich mit einer globalen Entwaffnung. Die Doppelmoral der USA und anderer Atommächte kann nicht länger geduldet werden. Sie wollen für immer über die tödlichsten Waffen verfügen, während der Rest der Welt abzurüsten hätte. Der Atomwaffen-Sperrvertrag von 1968 basierte auf einem Handel. Die Atommächte rüsten ab, dafür verzichtet der Rest der Welt auf eben diese Atomwaffen. Je länger die Vereinigten Staaten und die anderen Atommächte mit der Abrüstung zögern, desto wahrscheinlicher wird der Bruch des Atomwaffen-Sperrvertrages. Die einzige mögliche Sicherheit vor den nuklearen Gefahren ist ein Bann auf alle Atomwaffen, der auch durchgesetzt wird. Es gibt bereits einen Bann über chemische und biologische Waffen. Die viel größere Gefahr der Atomwaffen kann nur durch ein allgemeines Verbot gebannt werden. Ein globales Verbot aller Massenvernichtungswaffen ist der beste Schutz vor der Gefahr, dass sie in die Hände von Terroristen gelangen und von diesen eingesetzt werden. Tatsächlich sollten die Abrüstungsverpflichtungen für den Irak auf die ganze Welt angewendet werden. Alle nuklearen, chemischen und biologischen Waffen sowie die Langstreckenraketen sollten überall und für alle Nationen verboten werden. Das ist der einzige Weg zu einer Zukunft mit mehr Sicherheit. Natürlich wäre ein solcher Bann auf alle Massenvernichtungswaffen bedeutungslos, wenn es keine wirksamen Methoden der Überprüfung und zur Durchsetzung der Abrüstung gäbe. Eine Welt der Abrüstung bedarf wesentlich effektiverer Methoden zur Überwachung und zur Durchsetzung als wir sie heute kennen. Wir unterstützen die Politik zur friedlichen Abrüstung des Irak - rigorose Inspektionen, gezielte Sanktionen, multilateralen diplomatischen Druck. Diese Politik sollte allgemein angewandt werden, um die ganze Welt von Massenvernichtungswaffen zu befreien. Die UNO Waffeninspektoren bräuchten in etwa die hundertfache Kapazität und Reichweite, um den allgemeinen Bann der Massenvernichtungswaffen zu überwachen. Nationen, die überprüfbaren Abrüstungsforderungen nicht entsprechen, sollten mit gezielten Sanktionen belegt werden und von der UNO oder anderen regionalen Sicherheitsorganen diplomatisch unter Druck gesetzt werden. Nationen, die Abrüstungsvereinbarungen erfüllen, sollten mit Wirtschaftshilfe, Handels- und Technologie-Präferenzen sowie Sicherheitsabkommen belohnt werden. Solche politischen Mittel, kombiniert mit der ernsten Absicht einer nachhaltigen Entwicklung armer Länder, sind eine effektive Methode die internationale Zustimmung zur weltweiten Abrüstung zu erreichen. Diese Vision ist nicht pazifistisch und schwört nicht jeder militärischen Gewalt ab. Manchmal ist die Drohung mit Gewalt eine notwendige Komponente diplomatischen Drucks. In einigen Fällen kann die tatsächliche Anwendung militärischer Gewalt unvermeidlich sein, idealerweise in einer gezielten und begrenzten Art, unter der Legitimation des UN Sicherheitsrates oder eines anderen regionalen Sicherheitsorgans. Im Gegensatz zur Politik der Bush Administration wäre die Drohung mit oder die Anwendung von militärischer Gewalt das äußerste Mittel, wenn alle anderen diplomatischen Druckmittel erschöpft sind. Alles auch nur mit der Zustimmung des UN Sicherheitsrates oder eines regionalen Sicherheitsorgans. Auf keinen Fall haben die USA oder irgendeinen andere Nation das Recht zu einer militärischen Invasion, um eine Regierung zu stürzen unter dem Vorwand der Entwaffnung. Vielmehr sollten die USA die UNO Charta respektieren und nach Abrüstung streben, indem Differenzen zwischen Nationen auf friedliche diplomatische Weise beigelegt werden. Unsere aktuelle Herausforderung besteht darin, diese lang- und kurzfristigen Ziele zu verwirklichen und die politische Richtung, in welche die Vereinigten Staaten führen, zu verändern. In den kommenden politischen Debatten müssen wir alle Energien darauf verwenden, Unterstützung für unsere Vision einer alternativen Außenpolitik zu gewinnen und eine politische Massenbewegung zu schaffen, die politische Entscheidungsträger auf diese Vision einschwört. Unsere Chance, kurzfristig ein bevorstehendes militärisches Abenteuer zu verhindern besteht nur dann, wenn es gelingt die Bush Administration aus dem Amt zu entfernen und eine neue Führung zu wählen, die auf internationale Zusammenarbeit und auf Frieden setzt. Das ist eine gewaltige politische Herausforderung. Es wird sehr schwierig sein, dieses Ziel bis zum November 2004 zu erreichen. Wir müssen uns jetzt schon organisieren, um dieser Herausforderung gewachsen zu sein. Zusätzlich müssen wir uns auch auf die Zukunft vorbereiten. Denn es wird notwendig sein, unser Ziel auch über mehrere Legislaturperioden weiter zu verfolgen nur so kann unser Ziel Wirklichkeit werden. Es gibt noch eine andere enorme Herausforderung: Wir müssen die nicht durch Wahlen legitimierte Macht des nationalen Sicherheits-Establishments beschränken. Dieses stellt eine Schattenregierung unabhängig von den gewählten Amtsinhabern. Dieser großen Herausforderung kann nur eine ausdauernde und mächtige Bürgerbewegung begegnen. Eine Bewegung, die langfristig und grundlegend die Rolle Amerikas in der Welt verändern will. Diese Arbeit beginnt jetzt, währen die Invasion des Irak immer noch voran schreitet. Es bleibt keine Zeit für Verzweiflung. Ein ganzes Lebensalter des Organisierens und des Lernens liegt vor uns.
Erwiderung 1. Ein Plan für Gerechtigkeit von Phyllis Bennis & John Cavanagh David Cortright hat viele Aspekte eines Hilfsplans für eine Friedensbewegung in den USA. Von den unmittelbaren Aktionen, um den Krieg zu beenden, bis zum Ansprechen neuer Interessenten. Wir möchten einige Ideen nachliefern, wie wir den gewaltigen Herausforderungen begegnen können, die vor uns stehen. Wir brauchen einen umfassenden Plan einerseits für eine globale Friedensbewegung und anderseits müssen wir den Anteil dieser Bewegung innerhalb der USA erweitern.
Zuerst hier im Land: Wir möchten Cortright's Idee eines Plans für mehr Gerechtigkeit unterstützen, wie er schon dargelegt wurde von Organisationen wie 'United for Peace' und von Gerechtigkeitskampagnen. Ebenso wie er in Resolutionen niedergelegt wurde, die in 162 Gemeinderäten debattiert und verabschiedet wurden. Hier stechen zwei Themen heraus: Schutz der bürgerlichen Freiheiten vor Angriffen - besonders für arabische und andere Einwanderer-Gemeinschaften. Und Schutz vor der noch größeren Bedrohung unserer verfassungsmäßigen Rechte. Die Verlagerung der staatlichen Prioritäten von einem aufgeblähten Militärapparat zu den Bedürfnissen im Land, besonders in Zeiten von Budgetkrisen in Städten und Bundesstaaten. In beiden Bereichen gilt es die Wechselwirkungen zwischen Anti-Kriegs-Bewegung und den Auswirkungen auf unser Land zu beachten. Das ist wichtig um starke Interessengruppen zu mobilisieren. Wir schlagen vor, unseren Plan dahin zu erweitern, dass er die Tatsache der weltweiten Friedens- und Gerechtigkeits-Bewegungen berücksichtigt. Der internationale Charakter unserer Bewegung hat sich verstärkt, seit am 15. Februar global koordinierte Friedensaktionen in mehr als 600 Städten rund um die Welt stattfanden. Die Friedensbewegungen haben klar erkannt, dass dieser Krieg nicht um Massenvernichtungswaffen oder um Demokratie geführt wird und dass das Thema nicht der aktuelle Krieg im Irak ist, sondern das rücksichtslose Streben der Bush Administration nach Hegemonie und Macht. Unsere Verbindungen mit anderen Teilen dieser internationalen Bewegung wird unsere Identität als Bewegung gegen die Hegemonie deutlicher machen. So auch die Betonung dass unsere Regierung auf die Liste der Lieferanten der Massenvernichtung gehört. Es ist faszinierend, dass gerade in Frankreich, Deutschland, Italien, Brasilien, den Philippinen und vielen anderen Ländern (mehr als in den Vereinigten Staaten), die Friedensbewegung hauptsächlich aus den gleichen Kräften besteht wie die Gegner der großen Konzerne, den Globalisierungsgegnern, den Bewegungen für globale Gerechtigkeit die Frieden verlangen und Druck machen für eine globale Ordnung aus Gleichheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Es wird einige Zeit dauern bis ein einheitlicher Plan für eine 'globale Friedensbewegung' entsteht. Zusätzlich zum exzellenten allgemeinen Abrüstungsplan den Cortright vorgelegt hat, sollte folgendes inkludiert werden. - Wir betonen den Primat der internationalistischen und zentralen Rolle der Vereinten Nationen in all unserer Arbeit. Wir betrachten die UNO als unser Eigentum, als Teil der globalen Bewegung für den Frieden. Wir arbeiten daran, die UNO zu ermächtigen, der legitime Ersatz für das Weltreich der Vereinigten Staaten zu sein. Wir wollen die USA entmachten. Gerade jetzt, da wir ein unmittelbares Ende des Krieges fordern. Wir müssen die Rolle der UNO betonen und nicht die Rolle des Pentagon bei der Lösung der humanitären Krise im Irak. - Wir engagieren uns derzeit in die Errichtung einer Weltbewegung für Frieden und Gerechtigkeit in einer Neuen Welt. Wir brauchen eine neue globale Strategie, die sehr wohl aufbaut auf einer Strategie gegen Bedrohungen der Sicherheit der Menschen in den Vereinigten Staaten aber noch viel weiter geht.
Erwiderung Nr. 2 Heute der Irak und morgen? von Bill Fletcher Jr. Der Krieg ist gerade zwei Wochen alt, aber die Bush Administration hat sich isoliert wie noch nie zuvor, sogar von seinen historischen Alliierten. Die Ursache dafür ist nicht schlechte Public Relation, sondern das Ergebnis einer weitreichenden Opposition zu den Zielen der Außenpolitik der USA. Für die Massen auf den Straßen entbehrt dieser illegale und aggressive Krieg jeder Glaubwürdigkeit. Die politische Rechte versucht derzeit Patriotismus als Hammer gegen die Anti-Kriegs-Bewegung zu verwenden. Ich glaube Cortright ist zu vorsichtig in seiner Erwiderung. Wir müssen den Druck aufrechterhalten, dass die Kämpfe sofort einzustellen sind. Wir bestehen darauf, dass Opposition gegen diesen Krieg nicht bedeutet, dass wir die US Truppen nicht unterstützen, sondern das Gegenteil. Wir unterstützen sie, indem wir aufrufen, sie sofort heim zu holen. Wohl die größte Herausforderung für die Anti-Kriegs-Bewegung wird es sein, den Horizont zu erweitern bis zu einer kompletten Opposition gegen die nationale Sicherheits-Strategie der Bush Administration. Saddam Hussein's Regime ist unbeliebt im Irak und in der ganzen Welt. Das hat den Weg geebnet für eine Doktrin für den Präventivkrieg. Die US Regierung hofft, dass eine erfolgreiche Okkupation des Irak einen Blankoscheck für die Umgestaltung anderer Regime irgendwo in der Welt ausstellt. Die Anti-Kriegs-Bewegung in den USA muss den Zusammenhang herstellen zwischen der aktuellen unmoralischen, wahnsinnigen Invasion und der Weltherrschaftsdoktrin dieser Regierung. All dies bedenkend, muss die Anti-Kriegs-Bewegung der USA folgendes Programm propagieren: - Sofortiges Ende der Feindseligkeiten: Trotz des Fatalismus der von den Medien verbreitet wird, muss die Anti-Kriegs-Bewegung auf einem Ende der angloamerikanischen Invasion bestehen und die UNO wieder als friedensstiftende Macht etablieren. - Opposition gegen die Weltmachtbestrebungen und Unterstützung für eine demokratische Außenpolitik: Die Aggression der USA hat nicht angefangen mit der Invasion des Irak, und sie wird auch nicht damit aufhören. Die Anti-Kriegs-Bewegung muss direkt gegen die nationale Sicherheits-Strategie der Bush Administration angehen. Wir müssen eine alternative Vision für die Beziehungen der USA mit dem Rest der Welt entwickeln, nicht nur weil wir dadurch mehr Sicherheit gewinnen und wir damit Kosten sparen können, sondern auch, weil das einfach stimmig ist. - Beseitigung aller Massenvernichtungswaffen aus dem Nahen Osten: Cortright sagt 'Abrüstung muss schlussendlich allgemein sein' aber er vergisst, Israel ausdrücklich zu erwähnen. Israel besitzt eine unbekannte Menge von Massenvernichtungswaffen. Schritte müssen unternommen werden, um den Nahen Osten in eine Zone ohne solche Waffen zu verwandeln. - Unterstützung für die Selbstbestimmung Palästinas: Es wird keinen Frieden im Nahen Osten geben, ohne dass das palästinische Volk seine nationalen Rechte und Sicherheiten erreicht. So lange die israelische Regierung das Land der Palästinenser okkupiert und die Palästinenser unterdrückt, wird Terrorismus und Instabilität einen fruchtbaren Boden vorfinden. - Die Anti-Kriegs-Bewegung muss verbreitert werden: Der Krieg im Irak und der 'Krieg gegen den Terror' werden von der extremen Rechten benützt, um ihre Pläne umzusetzen. Arbeiter werden in unserem Land benachteiligt und die Wirtschaftsstrategie will den staatlichen Sektor aushungern, um das Militär zu stärken. Araber, Muslime und Inder werden verteufelt. Die Anti-Kriegs-Bewegung muss auch diese Themen artikulieren. Zugleich müssen wir die Bewegung erweitern, sodass verschiedenen fortschrittliche soziale Bewegungen in den Vereinigten Staaten berücksichtigt werden, besonders was die Gemeinschaften der Farbigen betrifft.
Erwiderung 3 Zu einer weltweiten Bewegung von Medea Benjamin Ich finde den Aufruf von David Cortright sehr nützlich, aber zu eng gefasst. Der aufregendste Aspekt der Anti-Kriegs-Organisation war die globale Reichweite. Während wir in der Bewegung gegen die Globalisierung bereits eindrucksvolle transatlantische Allianzen mit Basisbewegungen schmieden konnten, bot die Anti-Kriegs-Organisation die Gelegenheit geografische Bereiche wie den Nahen Osten zu erreichen, wo die Kontakte vorher nur schlecht entwickelt waren. Wir erreichten eine überraschende Vielfalt an Anhängern in neuen Sektoren wie Frauen und Bürgerrechtsbewegungen wie NOW und NAACP. Was noch wichtiger ist, die Friedensbewegung verband sich mit der Bewegung, welche die multinationale Globalisierung bekämpfte. Wie können wir auf dieser Bewegung aufbauen? Organisieren, organisieren, organisieren. Lasst uns noch mehr Welt Sozial Foren organisieren, wo wir uns persönlich treffen können und Strategien entwickeln. Lasst und Basisgruppen in die Hot-Spots der Welt entsenden, nach Nord-Korea, in den Iran, nach Syrien, sodass Verbindungen mit lokalen und regionalen Gruppen entstehen, die den nächsten Krieg verhindern, anstatt lebendiger Schilde fünf Minuten vor zwölf zu entsenden. Lasst uns eine globale Kampagne starten, welche die UNO demokratisiert, sodass die UN Generalversammlung gestärkt wird an Stelle des UN Sicherheitsrates. Lasst uns die Antiamerikanische Stimmung in der Welt nützen, um gezielte Boykottaktionen gegen Konzerne zu richten, die vom Krieg profitieren. Lasst uns weltweite Basiskampagnen organisieren, damit die Vereinigten Staaten internationale Abkommen unterzeichnen, wie das Abkommen über den internationalen Strafgerichtshof und das Kyoto Protokoll. In Zusammenarbeit mit Regionen, wo US Truppen stationiert sind, lasst uns Kampagnen starten, 'bringt unsere Soldaten heim'. Lasst uns die Expansion der US Militärbasen anhalten und Hunderte von US Basen in aller Welt auflösen. Hier im Land ist unsere größte Herausforderung sicherzustellen, dass unsere Anti-Kriegs-Koalitionen nicht auseinander fallen, wenn die Krise zu Ende ist. Das bedeutet die Opposition gegen den Krieg in Zusammenhang zu bringen mit den schweren Krisen im Land. Koalitionen mit Leuten zu bilden, die sich wehren gegen Einschnitte in den öffentlichen Diensten, die auftreten gegen die Methode mit den Militärausgaben die Schulen, Spitäler und Wohnbauprogramme auszuhungern. Gemeinsame Sache zu machen mit Immigranten und ethnischen Gruppen, die angegriffen werden wegen der Attacken vom 11. September. Zusammenzuarbeiten mit Liberalen und Konservativen, um gegen die Einschränkungen unserer Bürgerrechte aufzutreten. Cortright hat recht mit der Forderung, Bush im Jahre 2004 aus dem Amt zu entfernen. Aber wir müssen erkennen, dass das Zwei-Parteien-System nicht funktioniert. Die Führung der Demokraten hat Blut an ihren Händen, weil sie diesen Krieg sanktioniert hat. Wir müssen ein Mehr-Parteien-System bilden, das Raum gibt für wirklich fortschrittliche Parteien wie die Grünen, damit die Demokratie in diesem Land Wurzeln schlagen kann. Die letzten sechs Monate frenetischen Organisierens haben uns gelehrt, dass wir tatsächlich eine gewaltige globale Macht geworden sind. Wenn wir diese globale Bewegung für Frieden und Gerechtigkeit stärken - eine Bewegung wie sie noch nie da war -, können wir gewaltige Änderungen bewirken. Wer entscheidet über unsere globale Gemeinschaft, wessen Interessen dienen diese Entscheidungen. Wenn diese neue Supermacht - die öffentliche Meinung - ihre Muskeln spielen lässt, dann können wir auf lange Sicht die herrschenden Mächte der Konzerne und Militärs herausfordern. Jene Mächte, die uns in diesen blutigen Krieg verwickelten.
Übersetzer: Herbert Kaser Ehrenamtliches Übersetzungs-Team, coorditrad@attac.org
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