Sand im Getriebe (SiG) #24
internationaler deutschsprachiger Rundbrief der ATTAC-Bewegung

Weltmarsch der Frauen gegen Krieg, Gewalt und Armut
Wirtschaft: Ein Krieg hilft, wenn er unendlich ist
Die Ratte im Kornspeicher
Was ist jetzt zu tun? Ein Friedensplan

Die Ratte im Kornspeicher
von Thomas Immanuel Steinberg


Das Öl des Irak wird die Dominanz der USA in der Welt festigen. Zur Sicherung der Vormachtstellung US-amerikanischen Kapitals wird aber ebenfalls beitragen, was die US-Regierung in andern Branchen des jüngst besetzten Landes anstellt.

Jeffrey St. Clair, Mitherausgeber der US-Zeitschrift Counterpunch beschreibt, wie die US-Agrarindustrie gerade dabei ist, die irakischen Bauernexistenzen zu vernichten und sich einzuverleiben, was dann noch vom irakischen Markt übrig ist.
Präsident Bush hat den Agrarhandels-Lobbyisten Daniel Amstutz zum Beauftragten für den Wiederaufbau der irakischen Landwirtschaft ernannt. Amstutz war zuvor Top-Manager bei Cargill, einem der weltgrößten Kornhändler. Cargill beherrscht 94 Prozent des Sojabohnenmarkts in den USA und 40 Prozent des US-amerikanischen Futtermais-Exports.
Die Dieseldepots für die irakischen Landmaschinen wurden von der US-britischen Koalition zerbombt. Futtersilos, Hühnerfarmen, Düngerspeicher, Pumpstationen und Bewässerungssysteme vernichtet. Die Iraker gehen einem Hungersommer entgegen. Saaten konnten nicht aufbewahrt, Tomaten, Melonen, Zwiebeln, Gurken und Bohnen - Grundnahrungsmittel im Irak - nicht angepflanzt werden.

Der Bush-Beauftragte Amstutz plant in dieser Situation, den Irak den Agrar-Konzernen zu öffnen, den Markt, wie es heißt, 'zu liberalisieren'. Sobald das geschieht, werden die staatlich subventionierten, also billigen US-amerikanischen Agrarprodukte den Irak überschwemmen. Sie werden mit irakischem Ölgeld bezahlt werden. Die irakischen Bauern aber werden ihr unter kümmerlichen Bedingungen Produziertes nicht mehr los werden.
St. Clair schreibt: Obwohl Millionen Iraker unter der eisernen Hand ihres Nahrungsmittel-Prokonsuln einer Hungersnot entgegen gehen, hätte Amstutz' Ernennung kaum Kommentare in den USA ausgelöst. Heftigster Kritiker sei Kevin Wilkins, Leiter der Hilfsorganisation Oxfam in London, den St. Clair wie folgt zitiert:
'Dieser Typ ist einmalig gut placiert, um die Interessen der Getreidekonzerne voranzutreiben... Dan Amstutz für den landwirtschaftlichen Wiederaufbau zuständig zu machen, ist, als ob Saddam Hussein einen Sitz in einer Menschenrechtskommission erhält.'

14. Juli 2003, www.SteinbergRecherche.com