Sand im Getriebe (SiG) #21
internationaler deutschsprachiger Rundbrief der ATTAC-Bewegung

Wasser für alle statt Evian!
1. Alternatives Weltwasserforum, Florenz - März 03
Startet BürgerInnenentscheide für das Trinkwasser
Kein Wasser für die Palästinenser

Kein Wasser für die Palästinenser
Aus einem Heft der AG Palästina von Attac Hamburg

Seit 1967 kontrolliert Israel alle Grundwasserspeicher westlich des Jordans, den Tiberias-See (See Genezareth) und weitgehend auch den Jordan und seine Zuflüsse. Seit 1982 werden palästinensische Orte mit dem israelischen Wasserleitungsnetz verbunden, das Trinkwasser wird zugeteilt 5)

Pro-Kopf-Verbrauch für
israelische Siedler: 330 Liter/Tag zu 0,3 Schekel/m3
sonstige Israelis: 220 Liter/Tag zu 0,8 Schekel/m3
Palästinenser: 32 Liter/Tag zu 4,6 Schekel/m3 6)

Weitere Umstände des ungleichen Wasserangebots:

Für Palästinenser:
- Ihre Wasserversorgung wird willkürlich für ganze Dörfer abgestellt. Sie erhalten z. B. nur einmal pro Woche für einige Stunden Wasser aus dem Leitungsnetz. 6)
- Im Jahr 2001 mussten laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem
215.000 Palästinenser abgefülltes Wasser kaufen. 2)
- Wegen der Militärsperren im Westjordanland erreichen nur wenige Tankwagen entferntere Dörfer, der Wasserpreis steigt dadurch auf bis zu 8/m3. 2)
- Israelische Behörden haben nahe Beit Lahia 50.000 Tonnen Chemie- und Militärabfälle versenkt, so dass der gesamte unterirdische Trinkwasservorrat Gazas von der Vergiftung bedroht ist. Schon jetzt ist die Qualität mangelhaft. 4)

Für Israelis:
- Es gibt keine Beschränkungen hinsichtlich Wasserverbrauch. Auch in Dürrezeiten werden Autos gewaschen, Rasen gesprengt und öffentliche Parks bewässert. 2)
- Von dem erneuerbaren (durch Regenfälle wieder auffüllbaren) Grundwasser der Westbank werden
81% an Israel und die israelischen Siedler der Westbank geliefert. 5)
- 40% des Wasservorrats des Gazastreifens bekommen
die 6.000 israelischen Siedler dort, die restlichen 60% teilen sich die über 1 Millionen dort lebenden Palästinenser. 6)

Übermäßige Grundwasserentnahme durch die Israelis führte zur Absenkung des Grundwasserspiegels in Palästina/Israel

Für Palästinenser:
- Da die israelische Militärregierung den Palästinensern nur eine Brunnentiefe von 60 bis 150 m erlaubt, kommt es zum zeitweiligen oder völligen Versiegen vieler Brunnen. 5)
- Es werden kaum neue Brunnen genehmigt: von 1967 ? 1995 nur 23 Brunnen für über 1 Million Palästinenser in der Westbank. 5)

Für Israelis:
- Die Brunnen der Israelis dürfen 100 bis 600 m tief sein, dadurch ist die Wasserförderung zu jeder Zeit möglich. 5)
- Israelis haben keine Schwierigkeiten, neue Bohrgenehmigungen für die Förderung von Grundwasser zu erhalten. 5)
- Von 1967-1995 baute die israelische Wassergesellschaft Mekorot 32 Brunnen für 140.000 Siedler. 5)

Die Wasserversorgung bestimmt die Entwicklung in der Landwirtschaft:

Für Palästinenser:
- Die bewässerte landwirtschaftliche Fläche ging in den besetzten Gebieten stetig zurück. 6)
- Flüsse, die vor zwei Generationen ganzjährig der landwirtschaftlichen Bewässerung dienten, sind ganz oder zeitweilig ausgetrocknet, z.B. der Fluss al-Auscha im Gazastreifen. 1)
- Durch die Grundwasserabsenkung fließt im Gazastreifen brackiges Meerwasser nach, das z .B. für die Bewässerung von Orangenplantagen unbrauchbar ist. 3,5)

Für Israelis:
- Die bewässerte landwirtschaftliche Fläche stieg: 1949 = 30.000 ha, 1968 = 161.600 ha, 1987 = 215.300 ha. 5)
- Die nach 1967 aus so genannten 'strategischen Gründen' errichteten Siedlungen im Gazastreifen sind in Wirklichkeit landwirtschaftliche Großbetriebe mit sehr hohem Wasserverbrauch. 3)
- Jordanwasser aus dem Tiberias-See wurde südlich durch Israel bis in die Negev-Wüste umgeleitet, so dass auch hier Landwirtschaft möglich wurde.


1) W.Lechner/E.Kashi: Wo die Macht des Wassers Frieden stiftet, in Zeit-Magazin vom 22.03.1996, S. 14 ff
2) Frankfurter Rundschau vom 28.07.2001
3) Frank Bliss: Palästina, S. 51 ? 53
4) Victoria Waltz: Will uns die Presse in Deutschland nicht informieren?
5) Frau Dr. Sumaya Farhat Nasser in einer Fernsehsendung des WDR3, April 2002
6) Beitrag aus der Neuen Zürcher Zeitung, veröffentlicht vom Friedensratschlag