| | Knechtische Adjektive von Maria Angeles Maeso
Verleiht das Adjektiv kein Leben, tötet es nur noch. (Vicente Huidobro)
Adjektive, die dem Substantiv 'Krieg' beigefügt werden, sind die Verräter des Friedens. Das Wort 'Krieg' ist so furchtbar bedeutungsschwer, dass es immer in seiner Blöße erscheinen sollte: Kein anderes Wort sollte ihm bei seiner Darbietung zu Hilfe kommen. Deshalb spreche ich von knechtischen Adjektiven: Weil sie sich dem Substantiv 'Krieg' beifügen lassen und etwas an dessen Bedeutung verschleiern. Was verschleiern sie? Etwas, das nur leise ausgesprochen wird, aber sauber, chirurgisch, humanitär, gerecht, schnell, präventiv ist... Das sind Adjektive, die lauter ausgesprochen werden, als das Substantiv 'Krieg', das sie ins Schlepptau nimmt.
Es gibt Wörter, wie 'Krieg', 'Bombe', 'Freiheit' oder 'Gerechtigkeit', die uns allein beim Aussprechen das Bezeichnete dermaßen deutlich und intensiv vor Augen führen, dass man sich fragen muss, warum ihnen Adjektive angehängt werden sollen, die den Krieg als 'präventiv', eine Bombe als 'umweltfreundlich', die Gerechtigkeit als 'grenzenlos', die Freiheit als 'dauerhaft' bezeichnen. Wozu sind diese Adjektive da? 'Verleiht das Adjektiv kein Leben, tötet es nur noch', ermahnt uns der Dichter. Inwiefern werden Namen mit solch stofflicher Kraft von diesen Adjektiven lebendig gemacht?
Verspürt man denn nicht wie Stiche im Gehirn beim Wahrnehmen eines dieser Wortpaare bzw. eine dieser Zusammensetzungen? 'Präventivkrieg', 'dauerhafte Freiheit', 'grenzenlose Gerechtigkeit', 'umweltfreundliche Bombe'... Jeder Sprechende, der gewohnt ist, sich seiner Sprache in derer Logik zu bedienen, verspürt hier, wie der Widersinn in sein Gehirn herumbohrt. Es tut den Ohren einfach weh. Alles lässt sich aussprechen, die Wahrheit genauso gut wie die Unwahrheit. Und was ist mit der Sinnlosigkeit, fragt man sich nun: Ist der Widersinn denn semantisch akzeptabel? Befinden wir uns tatsächlich vor Unsinnigkeiten?
Die Wörter, alle Wörter, besitzen eine Bedeutung. Aber trifft das auch für jene Wortpaare bzw. Komposita zu? Wir kennen die Bedeutung dieser Namen; wir wissen, was jedes dieser Substantive und Adjektive bedeutet. Aber was passiert denn bei ihrer Verknüpfung, dass sie irgendwie nicht mehr als akzeptabel erscheinen?
'Grenzenlose Gerechtigkeit'. 'Dauerhafte Freiheit'. Besitzen diese Ausdrücke einen eindeutigen Sinn?
Wenn wir 'Gerechtigkeit' sagen, stellen wir uns eine der vier Kardinaltugenden vor, diejenige nämlich, wonach jedem gegeben werden soll, was ihm zusteht oder gehört. Wir brauchen nicht, dass sie unendlich ist. Wir verstehen nicht, was diese Übertreibung soll. Das Adjektiv verleiht hier dem Substantiv eine dermaßen aufgebauschte Konnotation, dass die Gerechtigkeit wiederum geschmälert erscheint, denn eine so über die Maße gehende Gerechtigkeit ist selbstverständlich nicht mehr gerecht. Wenn der Leitspruch 'grenzenlose Gerechtigkeit' so kurzlebig war, dann eben deshalb, weil er zu überheblich klang, wie die furchtbare vergeltungssüchtige Bestrafung Gottes. Es wurde schnell durch 'dauerhafte Freiheit' ersetzt, und das nicht etwa um zu vermeiden, dass sich die Moslems ? für welche nur Allah zur grenzenlosen Gerechtigkeit fähig sei ? gekränkt fühlen, denn das neue Motto verwies weiterhin auf göttliche Sphären.
Wenn wir 'Freiheit' sagen, sehen wir keine Einschränkung für ihre Ausübung. Wie kann man sie denn nun als 'dauerhaft' bezeichnen, wenn die Verknüpfung beider Wörter den Namen 'Freiheit' seines Wesens beraubt? Handelt es sich in dem Fall denn nicht um eine bedingte Freiheit?
'Präventivkrieg', 'umweltfreundliche Bombe', 'humanitäre Katastrophe'
Sind das etwa Oxymora wie diejenigen im Sonett Quevedos: 'Es ist ein brennendes Eis, ein eisiges Feuer'? Nein. Das Oxymoron ist die Verknüpfung zweier gegensätzlicher Begriffe in einem Wort oder in einer Phrase, bei welcher ein neuer Sinn entsteht. Der Sinn, den Quevedo in seinem Sonett über die Liebe uns zu vermitteln gelingt, ist der des Gefühlsflusses, der in der Liebesleidenschaft zusammenströmt. Der Dichter bedient sich dieser rhetorischen Figur, um die Bedeutung eines jeden Prädikats der Liebe durch die Kombination sich widersprechender Begriffe zu erweitern. Aber: Ist eine Bedeutungserweiterung in 'Präventivkrieg' überhaupt vorhanden? Soll man ein Ereignis vorbeugen, indem man es hervorruft? Kann unser Verstand den Gedanken begreifen, einen Krieg durch Kriegsführung zu verhüten? Wenn wir 'Krieg' aussprechen, sehen wir den Tod vor unserem geistigen Auge. Kann denn jemand sich vorstellen, töten zu müssen, um den Tod zu vermeiden? Selbstverständlich nicht. Die für das Oxymoron charakteristische Bedeutungserweiterung ist weder in 'Präventivkrieg', noch in 'umweltfreundliche Bombe' oder 'humanitäre Katastrophe' zu finden. Wir haben hier einen Fall des Widersinns. Bedeutung gleich Null.
Wenn hier keine Bedeutungserweiterung besteht, handelt es sich vielleicht um einen ironischen Ausdruck? Als literarisches Mittel besteht die Ironie allerdings darin, das Gegenteil von dem, was man meint, auszudrücken. Bei den genannten Wortpaaren bzw. Wortbildungen wissen wir noch nicht einmal, was damit ausgedrückt wird. Wie soll dem Widersinn einen weiteren Sinn zugeordnet werden, wenn der erste Sinn nicht zu erfassen ist?
Es handelt sich um Verbindungen aus Wörtern, die sich gegenseitig abstoßen, wie das 'runde Viereck', von dem Ortega y Gasset sprach; um sprachliche Konstruktionen, welche die Grammatik einer Sprache zwar generieren kann, die aber semantisch unakzeptabel sind. Es sind Ausdrücke bar jeder Bedeutung, d.h. Sinnlosigkeiten. 'Sensure' ist der Name, den Bernard Noël zur Bezeichnung dieser weit verbreiteten Erscheinung, der Aufhebung allen Sinnes, prägte [1].
Kriegssprache: Es kann nur einen geben
Ein Ausdruck besitzt erst dann eine Bedeutung, wenn sein Vorkommen nicht ganz von dem Zusammenhang bestimmt wird [2]. In welchem Zusammenhang erlangen die genannten Ausdrücke eine Bedeutung? Wir haben diese Adjektive deshalb 'knechtische Adjektive' genannt, weil sie im Dienste eines militärischen Befehlshabers in den Krieg ziehen und sich dadurch dem Widersinn unterwerfen. Die Kriegsherren erschaffen eine Kriegesprache. Bei diesen widersprüchlichen, sinnlosen Wortpaaren bzw. Zusammensetzungen muss das eine Wort das andere vertilgen: 'umweltfreundliche Bombe', 'humanitäre Katastrophe', 'Präventivkrieg'; die Koexistenz beider Begriife ist unmöglich. Es sind verfeindete Bedeutungen, die sich in einem heftigen Widersinn bekriegen müssen, um sich jeweils durchsetzen zu können.
Es handelt sich um eine Kriegssprache, die nach Ersetzungsmustern funktioniert: Man führt Krieg, um Frieden herbeizuschaffen; Kriege erscheinen als humanitär, sauber, präventiv; Bomben als umweltfreundlich; wenn sie ganze Landstriche verwüsten, dann heißt es, es sei ein Akt der 'grenzenlosen Gerechtigkeit'... Kriegssprache: Knechtische Adjektive, die ihre eigene Bedeutung aufblähen, indem sie die des Nachbarwortes vernichten. Der Widersinn ist dermaßen heftig, dass unser Gehirn ihn nicht aushält und zieht vor, nur einen der beiden Ausdrücke zu behalten. Welchen denn? Diejenigen Adjektive, an denen Begrifflichkeiten wie 'präventiv', 'umweltfreundlich', 'gerecht' usw. haften. Obwohl das andere Wort nachhallt ('War da denn nicht von einem Krieg die Rede?'), nehmen wir es nicht mehr wahr, weil die Verbindung der Bedeutungseinheit 'Krieg' mit den Adjektiven, die wir zu behalten vorzogen, unzulässig ist. Es sind, wir erinnern uns, wie Stiche im Gehirn.
Wir sagten oben: Das Substantiv 'Krieg' ist dermaßen bedeutungsschwer, dass es nicht einfach ist, es mit einem Federstrich auszulöschen. Es ist der Wahrheitsträger, es trägt eine Bedeutung, die einem Referenten bzw. Sachverhalt in der realen Welt entspricht. Und trotzdem: Sieger ist die im Adjektiv enthaltene Lüge. Denn, wem wären Kriege ohne Tote, saubere, gerechte, schnelle Kriege, denn nicht lieber als der nackte, rein dinghafte Krieg mit seinem nicht zu verheimlichenden Todesballast? Diese Adjektive erzeugen scheinbar nur Widersinnigkeiten; tatsächlich aber dienen sie einem infamen sprachlichen Kalkül, nämlich der Verführung durch die Sprache: In ihrer Umgebung wirkt der Krieg weniger grausam, seine Wesenheit löst sich darin auf. Beim Beobachten dessen, in welcher Art und Weise sie sich wiederholen, sowie wer sie einführt, verstehen wir, was sie sind.
Das sind Stereotypen! Wir sollten beim Feststellen ihres Daseins zittern!
Wer verführt, hat es nicht nötig, zu überzeugen: Er gewinnt durch Täuschung. Zu unseren Ohren gelangen Ausdrücke, die wir nicht verstehen und trotzdem mühelos wiederholen. Jemand sagt sie uns sooft vor, bis wir das sehen, was nicht möglich ist, zu sehen, da es schlicht und einfach nicht existiert. Es gibt keine gerechten, chirurgischen, umweltfreundlichen, humanitären, präventiven Kriege... Nein. Der Widersinnigkeitsvirus wurde aber schon übertragen. So entsteht der 'Gemeinplatz'. Es sind Stereotype. Sie sind unter uns. Ihr Zweck besteht in der Vertuschung der Wirklichkeit. Das ist die Funktion der genannten Wortpaare bzw. Zusammensetzungen.
Stereotype! Das Übel einer jeden Sprache. Gleichgültig, ob an ihnen Wahrheit oder Unwahrheit haftet ? Sinn und Zweck des Stereotyps, des Klischees ist das Verführen, das Sich-Behaupten ohne Überzeugen. Es zieht immer große Lügen mit sich, aber das ist nicht das Wesentliche: Sein Sinn ist doch die Vertuschung der Wirklichkeit; zu diesem Zweck bedient er sich oft der Wahrheit, einer anderen Wahrheit, welche diejenige verstellt, die vertuscht werden soll.
Sprache der Kriegsherren, die das Klischee lieben und den propagandistischen Slogan. Sprache des Befehlshabers, der den Wörtern einen knechtischen Gebrauch aufzwingen. Hitler prägte widernatürliche Wortkombinationen, wie 'jüdisches Gewürm', so dass die Deutschen beide Begriffe bald nicht mehr voneinander unterscheiden konnten. Allein aufgrund einer solch verzerrten Identifizierung von Bedeutungen kam man dazu, in einer Bevölkerungsgruppe, die nicht mehr als 1% der deutschen Bevölkerung im Jahre 1933 darstellte, den gefährlichsten Feind anzusehen. Der Faschismus liebt das Stereotyp, die Vertuschung der Realität, das Verführen durch die Lüge.
Wer kann sich dem Verführerischen dieser beiden Wörter widersetzen, fragte sich damals Pedro Salinas [3] in bezug auf den Ausdruck 'neue Ordnung', den Hitler immer wieder benutzte. Zwei verlockende Wörter, deren Verknüpfung im Dienste des größten Unheils stand. Die neuen Stereotype fußen ebenfalls auf dieser Verführungsmacht der Sprache. Wir begreifen nun, dass der in diesen Ausdrücken latente Widersinn einfach Kriegspropaganda im Dienste des Stereotyps darstellt. Und der Sinn der Sache ist nicht etwa der, uns zum Nachdenken über die Ausdrücke anzuregen, sondern uns zu verführen, damit wir woandershin schauen: Dahin, wo wir die Realität nicht erkennen können.
Unser Wunsch danach, dass der Krieg tatsächlich etwas von Prävention beinhaltet, ist so stark, dass wir uns, wenn uns die Möglichkeit seiner Erfüllung gegeben wird, sofort kooperativ verhalten. Von diesem Verlangen ausgehend, greift die Verführungsmacht des Stereotyps durch. Nur: Wer einen Krieg vorbereitet, will ihn doch nicht verhindern; die Kriegsveranstalter wollen unsere Zustimmung und beziehen dabei unseren Wunsch nach Frieden in ihren Kriegsbezeichnungen ein. So entstehen solche sprachliche Aberrationen, die in Form von Propagandasprüchen im Umlauf sind. Die Sprache wehrt sich auf ihrer Art und Weise, indem sie sich weigert, das Unvereinbare zu vereinbaren, so dass wir nur den einen Begriff behalten, nämlich eben den, der nicht existiert. Kein Sprechender soll sie weiter verbreiten, wie Cortázar (1984) fordert:
'Ich sage Freiheit, ich sage Demokratie, und sofort merke ich, dass ich diese Wörter gesagt habe, ohne ein zweites Mal über ihren tieferliegenden Sinn, ihre genauere Botschaft nachzudenken. Und ich verspüre auch, dass viele der Zuhörenden sie wiederum so empfangen, wie etwas, das droht, zu einem Stereotyp zu werden, zu einem Klischee, über welches alle einig sind. Denn das ist eben das Wesen des Klischees und des Stereotyps: den Gemeinplatz anstatt des Erlebten vorzuziehen, die Überzeugung anstatt des Nachdenkens, einen undurchsichtigen Stein anstatt des lebenden Vogels.' [4]
Der undurchsichtige Stein des Sarkasmus
Die Wörter sollen uns weiterhin nützlich sein. Aber sie sind unfrei, sie sind die Heimstätte der Macht, sie sind der im Widersinn, im Stereotyp, im Sarkasmus verfangene Vogel. Um ihnen ihre wahre Bedeutung zurückzugeben, müssen wir in den Zusammenhang eindringen, in welchem solche widernatürliche Verbindungen erschaffen wurden; wir müssen auf der Grundlage der von ihnen dargestellten Sachverhalten herausfinden, was sich hinter den perversen Bedeutungen, die ihnen auferlegt wurden, versteckt.
Eine unwahre Aussage zum Scherz als wahr anzunehmen, das ist Ironie. Wir wissen aber alle, dass 'dauerhafte Freiheit' und 'grenzenlose Gerechtigkeit' zur Bezeichnung eines sehr ernsten Sachverhalts geprägt wurden, der den Tod Tausender Afghanen zur Folge hatte; so vieler übrigens, dass die genauen Ziffern von den USA noch immer geheimgehalten werden.
Wir wissen auch, dass es weder saubere, noch chirurgische Kriege gibt. Das sind aber genau die Adjektive, die den 1991 gegen den Irak eingesetzten Angriffen zugeordnet wurden. Und in der Tat: Alles, was wir damals an Unsauberkeit zu sehen bekommen, war eine kleine, mit Erdöl verschmutzte Ente. Jahre mussten vergehen, bis wir erfahren konnten, dass selbst das Bild mit dem Vogel eine Montage war; Jahre, bis die wahren, dantesken Gräuelbilder dieses 'sauberen' Krieges öffentlich wurden. Die Massakrierung Iraks wurde damals nicht vollendet: Es bedarf eines weiteren Krieges, nun 'Präventivkrieg' genannt, d.h. eines Krieges, den ein Staat gegen einen anderen aufgrund der Vermutung führt, Letzterer würde Angriffsvorbereitungen gegen Ersteren treffen. Die Bezeichnung 'Präventivkrieg' entpuppt sich allerdings als Sarkasmus, wenn man bedenkt, dass, als sie von den Amerikanern geprägt wurde, diese insgeheim bereits begonnen hatten, den Irak zu bombardieren.
Der Ausdruck 'humanitäre Hilfe' wäre nichts weiter, als plumpes Doppeltgemoppelt, hätte sich die NATO-'Hilfe', welche die Unterdrückung der Kosovo-albanischen Bevölkerung durch Belgrad verhindern sollte, nicht als eine massive und wahllose Bombardierung Jugoslawiens verwirklicht hätte. Humanitäre Interventionen sollten den Opfern diktatorischer Machthaber zu Hilfe kommen, und nicht noch mehr Opfer herbeiführen. Sich auf die 'Humanitas' zu berufen, um zu töten, ist das Obszönste, Zynischste und Sarkastischste, was man sich vorstellen kann.
In ihrem Ursprung betrachtet kann kein Zweifel bestehen über die Art literarischer Figur, um die es sich hier handelt: Es ist keine Ironie, sondern Sarkasmus, also eine ? in seiner etymologischen Deutung ? 'zerfleischender, beißender Spott'. Dieses belehrt uns über das Wissen der Griechen um die Macht der Wörter, zum Guten wie zum Schlechten: Um den Schmerz auszudrücken, der durch die Sprache zugefügt werden kann, prägten sie Bezeichnungen wie diese: 'Sarkasmus', diese bissige, gewissenlose, verletzende Variante der Ironie.
Das haben wir davon, wenn wir einen solchen Sprachgebrauch zulassen und das semantisch Unannehmbare hinnehmen.
Der lebende Vogel
Es gibt keine bessere Möglichkeit, eine Widersinnigkeit zu entlarven, als die Wörter in ihrer Nacktheit zu belassen. Je furchtbarer die Wirklichkeit sich zeigt, desto stärker sind unsere Bemühungen, sie zu verdrängen. Diejenigen, welche den Krieg veranstalten und ihn verhindern können, präsentieren ihn verschleiert, denn sie wissen, wie gefährlich es ist, die Nacktheit bei ihrem Namen zu benennen. Sie wissen, wie wir es auch wissen, dass Wörter Bilder vergegenwärtigen. Die Wörter, welche den Krieg tatsächlich benennen, wären dermaßen erschreckend, dass wir es nicht aushalten könnten. Dies würde sofort eine Gegenreaktion herbeiführen. So gewinnen sie Zeit. Diese Kriegssprache ist der Vorbote des Krieges. Kriegssprache, die den Krieg herbeiführt. Krieg in der Sprache. Das erste Opfer: die Wahrheit. Der Tod des Sinns.
Der Vogel wird wiedergeboren und lebt nochmals, wenn man diese Reise in den Ursprung, in die Nacktheit des Wortes, in seine Einsamkeit unternimmt. Nein dem Krieg, so, ohne jegliches knechtisches Adjektiv.
'Das Wort allein', sagte T. Tzara, 'ist für das Sehen ausreichend'.
aus Grano de Arena #179 informativo@attac.org
[1] Nöel, Bernard: La castración mental. Madrid: Huerga, 1998. - (Frz. Originalausgabe: La castration mentale. Paris: P.O.L., 1997.)
[2] Lyons, John: Introducción a la lingüística teórica Madrid: Teide, 1981, S. 427. -(Engl. Originalausgabe: Introduction to theretical linguistics. Cambridge: Cambridge Univ. Press., 1968. ? Dt. Übersetzung: Einführung in die moderne Linguistik. 8. unver. Aufl. München: Beck, 1995.
[3] Salinas, Pedro: El defensor Madrid: Galaxia Gutenberg, 1991, S.305.
[4] Cortázar, Julio: La instrumentación del lenguaje. Art. 1985.
Anmerkung der Übersetzerin: Bitte beachten Sie, dass eine spanische syntaktische Verbindung von Substantiv und Adjektiv in attributiver Verwendung (z.B. 'guerra preventiva') im Deutschen oft durch ein Determinativkompositum übersetzt werden kann bzw. muss: 'Präventivkrieg' ist viel verbreiteter als 'präventiver Krieg'. Der Originaltext wurde deshalb an entsprechenden Stellen erweitert, um dieser Erscheinung der deutschen Sprache gerecht zu werden. Das Adjektiv 'präventiv' kommt vom Lateinisch praevenire 'zuvorkommen', übers Französische préventif 'vorbeugend, verhüttend', auch 'warnend, abschreckend'. 'Sensure' ist ein Wortspiel mit den frz. Wörtern sens 'Sinn, Bedeutung' und censure 'Zensur, Aufsicht, Kontrolle', und weiter 'Verbot, Aufhebung.
Übersetzung: Suzie Bartsch / Coorditrad, ehrenamtliche ÜbersetzerInnen, 02.04.03 coorditrad@attac.org
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