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ERSTE 'MISSION' VON ATTAC FRANKREICH IN PALÄSTINA, 22.12.2002 bis 02.01.2003 Bericht von Véronique Vilmont an das Aktionskomitee von Attac - Gironde (Frankreich)
Diese erste Reise von Attac Frankreich nach Israel und Palästina setzte sich folgende Ziele: - unsere Unterstützung für das palästinensische Volk konkret zum Ausdruck zu bringen, - Verbindungen zwischen den Vertretern der palästinensischen sozialen Bewegung in den besetzten Gebieten und der israelischen sozialen Bewegung herzustellen, auszubauen und zu verstärken.
1. Unsere konkrete Unterstützung für das palästinensische Volk
Wir sind nach Hebron (im Süden des Westjordanlandes) und nach Jajush (im Nordwesten) gefahren. Diese Stadt und jenes Dorf sind besonders deutliche Beispiele für die vom israelischen Staat betriebene Apartheid.
Apartheid in Hebron, das heißt Verbot für 10.000 Bewohner der Altstadt, ihre Häuser zu verlassen, was dazu führt, dass sie von medizinischer Versorgung, von Lebensmittelversorgung, von Arbeit, Schule und Universität [1], von der Möglichkeit, an einem geheiligten Ort zu beten, vom sozialen Leben abgeschnitten sind. Darüber hinaus zielt die geplante Zerstörung von Häusern aus der mamelukischen Epoche darauf ab, jegliches historische Zeugnis der Vergangenheit, jegliche Erinnerung auszulöschen.
Die Stadt ist in zwei Zonen H1 und H2 geteilt [2]. In der Zone H2 haben lediglich die gerade einmal 450 extremistischen religiösen Siedler einen uneingeschränkten und völlig straffreien Bewegungs- und Handlungsradius. Ihnen wird Schutz und Unterstützung von 1.500 Soldaten zuteil.
Die anderen Hebroner aus der Zone H1 sind weniger Gefahren ausgesetzt, leben jedoch nichtsdestotrotz unter ständigen Bedrohungen, Demütigungen, erfahren körperliche Gewalt, Morde etc., ausgeübt von Armee und Siedlern.
Ich war erschrocken über die extreme Spannung, die diese doppelte Bedrohung in Hebron hervorbringt, über die unaufhörlich fortschreitende Besiedlung der restlichen Stadt, die Gettoisierung der Hebroner und ihren Überlebenskampf. In Erinnerung behalte ich diesen kleinen Matschhügel, den es zu überwinden gilt, um die in die Stadt führende Strasse zu erreichen. Die Apartheid in Jajush, das ist die Mauer [3] die dort gebaut wird, die das Dorf von seinen Feldern abschneidet, von der einzigen Einkommensquelle der Dorfbewohner. Die Wasserquellen wurden zerstört oder durch die Besatzer konfisziert. Den Bauern wird der Zugang zu ihren Feldern verboten. Armee, Polizei, Spezialsicherheitskräfte und private Milizen bilden eine erste Mauer.
Die Trassenführung der Mauer macht die Vereinnahmung von 10% des Westjordanlandes möglich, die Neugruppierung von Siedlungen, die Beschlagnahmung der fruchtbarsten Teile des Landes und der Brunnen. Nach Shalom Arshav (Peace now) ist Sharon dabei, hinter dieser Grenze aus Beton einen jüdischen Siedlerstaat im Westjordanland zu errichten.
In Jajush haben wir mit anderen internationalen Vertretern an einer Demonstration teilgenommen, gegen die die Armee gewaltsam (mit Schüssen und Tränengas) vorgegangen ist. Es gab Verwundete und Verhaftete. Alle anwesenden internationalen TeilnehmerInnen organisierten Nachtwachen, um Hausdurchsuchungen durch die Armee und daraus folgende Gewalttätigkeiten zu verhindern. Das ist kein Einzelereignis. Es spiegelt die Verschlechterung der Situation wieder, auch für internationale Teilnehmer.
Die PalästinenserInnen haben nur diesen einen Schutz, und sie fordern ihn ein. Aber so wichtig er auch ist, er hat Grenzen.
Deshalb ist es so wichtig, dass Attac Frankreich, gemeinsam mit anderen Organisationen, von den Regierungen fordert: - auf die Entsendung einer internationalen Schutztruppe für die palästinensische Bevölkerung hinzuarbeiten; - die Aussetzungklausel der Assoziationsabkommen zwischen der EU und Israel in Kraft treten lassen, wegen der Verletzung der Menschenrechte und der Handelsvereinbarungen; - von der israelischen Regierung zu verlangen, dass den internationalen Abkommen entsprechend jeder Bürger nach Palästina einreisen kann, und dass die Abschiebungen am Flughafen aufhören; - von der israelischen Regierung zu verlangen, keine internationalen Teilnehmer an pazifistischen und im Sinne der Menschenrechte legitimen Aktionen auszuweisen und zu deportieren [4].
2. Verbindungen zwischen den Vertretern der palästinensischen sozialen Bewegung in den besetzten Gebieten und der israelischen sozialen Bewegung herstellen, weiterentwickeln und stärken
Wir haben am Sozialforum in Ramallah teilgenommen und im Zusammenhang damit an einem Treffen der arabischen israelischen sozialen Bewegung in Nazareth, der jüdischen israelischen sozialen Bewegung in Tel-Aviv und der israelischen Antisiedlungsgruppen in Jerusalem.
2.1 Das palästinensische Sozialforum in Ramallah Das Forum fand vom 27. bis 30. Dezember 2002 statt. In Anbetracht des ersten Ziels unserer Mission haben wir daran nur am 28. teilgenommen, als es um die Anti-Globalisierungsbewegung und deren Einfluss auf den Fall Palästina ging.
Der erste Verdienst dieses Forums ist es, dass es stattgefunden hat [5]. Dabei sollte die gute Organisation durch die PNGO, das WSF und die ANND [6] hervorgehoben werden. Wir wurden gut empfangen, es gab Stände verschiedener Organisationen [7], die Übersetzung erfolgte arabisch/englisch simultan. Die teilnehmenden AktivistInnen und BürgerInnen kamen aus zahlreichen Ländern: Italien, Spanien, Frankreich, Schweiz, Belgien, Holland, Griechenland, Irland, Großbritannien, Argentinien, Brasilien, Quebec, USA, Japan. Und dass, obwohl es - zumindest in Frankreich - fast keine Informationen über dieses Forum gab. Das ist, angesichts der drohenden Kriegsgefahr gegen den Irak, auf keinen Fall durch die kurzfristige Programmgestaltung (Ende Oktober) zu rechtfertigen.
Neben palästinensischen Referenten wie Mustapha Barghouti waren u.a. Zelitro Luz da Silva (MST), Luisa Morgantini (Abgeordnete des Europaparlaments, Pace), Anne Alexander (Globalize Resistance), Luisa Sirvent (Vereinigung der spanischen Organisationen für die Durchsetzung und Verteidigung der Menschenrechte) und Jean-Luc Cipière für Attac Frankreich beteiligt. Auch Michel Warshawski (AIC, Israel) [8] war anwesend.
Mit vielen Debatten fanden am Nachmittag die Workshops Europa, Afrika, Asien und Amerika statt. Eine große Demonstration in Ramallah beschloss diesen Tag. Das Forum setzte sich an den anderen Tagen in Jerusalem, in verschiedenen Orten des Westjordanlandes und im Gazastreifen fort.
Mehrere Ziele wurden festgehalten: - Die internationale Solidarität verstärken: Die Palästinenser brauchen internationale Beobachter, deren Anwesenheit die israelische Unterdrückungsmaßnahmen eindämmt, deren Augenzeugenberichte mehr und mehr in das Beweutsein der öffentlichen Meinung dringt und immer mehr Menschen mobilisieren. - Auf die internationale politische Öffentlichkeit Druck ausüben, bis hin zur Durchsetzung einer internationalen Friedenstruppe und der Aussetzung der Verträge der Mittelmeer-Anrainerstaaten. - Die internationale öffentliche Meinung in Kenntnis über die schweren Menschenrechtsverletzungen durch Israel versetzen, wie die ethnische Säuberung durch Massaker (2.200 Tote in zwei Jahren), die Zerstörung einer Gesellschaft, die Politik des Bevölkerungstransfers. - Unseren Mitbürgern verständlich machen, dass jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung und auf einen unabhängigen und souveränen Staat hat. Es kann keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben. - Unser Wissen, unsere Erfahrungen, unsere Aktionspraktiken, unser Know-how austauschen - Unseren Kampf vereinen und ihn in die Sozialforen tragen
2.2 Treffen mit Vertretern der arabisch-israelischen sozialen Bewegung in Nazareth Dieses Treffen wurde von der ITTIJAH (eine Plattform arabisch-israelischer NGOs) organisiert [9].
Dabei war eine recht große italienische Delegation, darunter viele Gewerkschafter und andere Internationalisten. Es war das erste Mal, dass ein solches Treffen organisiert wurde. Die israelischen Aktivisten haben die Diskriminierungen geschildert, denen die arabischen Bürger in Israel ausgesetzt sind. Seit der Zweiten Intifada und der Ermordung von 13 arabischen Nazarenern [10] hat sich eine Kluft aufgetan: Israelische Araber haben realisiert, dass sie nach 50 Jahren noch immer keine israelischen Staatsbürger sind. Die israelischen Araber sind einer gesetzlich verankerten Diskriminierung ausgesetzt. Israel ist eine durch israelische Gesetze definierte Demokratie, d.h. eine ethnische Demokratie. Ein kürzlich eingebrachtes Gesetz erlaubt es, den israelischen Arabern die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen, so sie eine Bedrohung für den 'jüdischen und zionistischen' Staat bedeuten könnten. Und die extreme Rechte hofft, das Gesetz auch auf linke Juden ausweiten zu können.
Zwanzig diskriminierende Gesetze belasten ihren Alltag. Ihr Ausschluss aus dem Militärdienst verringert ihre Chancen auf ein Darlehen, auf Stellen im öffentlichen Dienst und auf finanzielle Hilfe für ein Universitätsstudium (auf der anderen Seite erhalten aber israelische Juden, die aus religiösen Gründen vom Militärdienst freigestellt sind, diese Hilfen). Das Rückkehrgesetz garantiert allen nach Israel immigrierenden Juden das Recht auf die israelische Staatsbürgerschaft und Vorteile; aber die palästinensischen Flüchtlinge, die 1948 verjagt wurden, haben trotz internationaler Gesetze dieses Recht nicht.
Das Mediensystem ist äußerst ausgeklügelt. Es gibt in Israel kein einziges Gesetz, das die Meinungs- und Pressefreiheit sichert. Die Mehrzahl der Gesetze und Verordnungen unterliegen der bevollmächtigenden Gesetzgebung, die der Armee und dem Innenminister eine weitgehende Kontrolle über die Medien verleiht. Radiosendungen haben per Gesetz dem zionistischen Projekt zu dienen, was eine Meinungsvielfalt ausschließt. Sie sollen die Verbindungen zwischen den Juden in der Diaspora stärken, die jüdische Kreativität entwickeln und den Vertrag zwischen den Medien und der Regierung respektieren (Komitee der Chef-Redakteure). Die Selbstzensur ist extrem stark. 80% der Meldungen stammen aus Regierungsquellen. Nur in 2% der Informationen geht es um die arabische israelische Bevölkerung, und dann vor allem um Kriminalität und Terrorismus. Die Medien, die die öffentliche Meinung kontrollieren, haben die Schlüsselrolle in diesem demagogischen Konsensprozess. Es gibt keine pluralistische Sicht, die eine wirkliche öffentliche Debatte erlauben würde.
Zusätzlich zu dieser diskriminierenden Situation sind die israelischen Araber auch Opfer eines Prozesses der Besiedlung noch arabisch gebliebenen Bodens im Innern Israels [11]. Nazareth, die einzige ganz und gar arabische Stadt in Israel, ist dafür ein trauriges Beispiel. Eine jüdische Siedlung (Nazareth Illit) hat sich auf dem Gipfel des Hügels festgesetzt. Der Staat hat den gesamten Grund und Boden rund um Nazareth beschlagnahmt, um dessen Ausweitung zu verhindern, weitere Siedlungen in der Umgebung zu entwickeln, die die naheliegenden arabischen Dörfer bedrohen, und diese Siedlungen untereinander zu verbinden. Seit Oktober 2000 sind wiederholte und häufige Angriffe auf die Araber zu verzeichnen.
Die neoliberale Politik und der Siedlungskrieg haben Israel in eine tiefgreifende ökonomische Krise gestürzt. Während die Mauer gebaut wird, wird in Jerusalem und anderswo gebettelt. Aber aufgrund der diskriminierenden Politik sind israelische Araber viel stärker von Armut und Not betroffen: 40% leben unter der Armutsgrenze (17% der israelischen Juden) und die Kindersterblichkeit in diesem Teil der Bevölkerung ist doppelt so hoch. Das Niveau der Schulabschlüsse bei arabischen Jugendlichen ist niedriger als das der armen schwarzen und hispanischen Bevölkerungsgruppen in den USA!
Was eine eventuelle gemeinsame Front israelischer Araber und Juden gegen die ökonomische Krise betrifft, so halten sie dies für eine gute Idee, aber in einem anderen Land. 'Die Kriegsanstrengungen' werden noch von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert. 250.000 Palästinenser haben das Westjordanland verlassen (Ihnen haben Israelis an der Grenzbrücke zu Jordanien Blumen verteilt). Mehrere rechte Parteien setzen die Vertreibung der Palästinenser aus den besetzten Gebieten und aus dem Innern Israels auf ihr Programm. Auch auf großen Wahlplakaten von Regierungsparteien war zu lesen: 'Transfer = Sicherheit + Frieden', 'Bereits 300.000 Palästinenser sind nach Jordanien gegangen: Transfer für den Rest!' [16]
Sie fürchten eine ethnische Säuberung, wenn es zum Krieg gegen den Irak kommt.
Was sind ihre Ziele? - Entwicklung der Beziehungen und Schaffung eines Netzwerkes zwischen israelischen Arabern, Palästinensern in den besetzen Gebieten und den palästinensischen Flüchtlingen in anderen Ländern. Die israelischen Araber wollen als integrierter Bestandteil der palästinensischen Frage gesehen werden. - Die Solidarität zwischen den sozialen arabischen Bewegungen entwickeln. Es besteht der Wunsch nach einer Zusammenarbeit, aber es gibt Schwierigkeiten, sich zu treffen (dies kann nur außerhalb von Israel stattfinden). Vor drei Monaten fand in Kairo eine Konferenz mit gesellschaftlichen Bewegungen statt. 54 Jahren lang hatten sie keine arabischen Organisationen getroffen! - Wachsende Zusammenarbeit zwischen globalisierungskritischen und palästinensischen Organisationen in Israel und den besetzten Gebieten: ihre Situation weltweit darlegen, zur Reflexion über die Verbindungen zwischen globalisierungskritischer Bewegung und arabischen Organisationen beitragen, ebenso zum Nachdenken über die Beziehungen zwischen den Ländern des Südens. Der Rahmen von Sozialforen macht diese Zusammentreffen möglich. - Mehr Druck auf die internationale politische Öffentlichkeit ausüben (EU, UNO). Israelische arabische Vereine [12] arbeiten daran, dass die Europäische Union die Assoziationsabkommen aussetzt und sich mit den antidemokratischen Praktiken in Israel beschäftigt.
2.3 Treffen mit Vertretern der israelischen jüdischen sozialen Bewegung in Tel-Aviv Nach Nazareth sind die internationalen Delegationen direkt nach Tel-Aviv gefahren, wo wir zwei Mitglieder der Histadrut [13] (einer aus der Gewerkschaftsführung, der andere von der israelischen kommunistischen Partei) und Vertreter jüdischer und israelischer NGOs getroffen haben. Die Verbände stellten sich vor.
BIMKOM ist ein Zusammenschluss von Architekten, Juristen und Anthropologen, die in der Raumplanung arbeiten und den israelischen Arabern ihre Hilfe anbieten, damit sie den israelischen Gesetzen entsprechend bauen können.
MAHAPACH ist eine studentische Vereinigung, die den Bewohnern armer Viertel hilft. Sie kämpfen gegen Armut und Ausgrenzung. Die dritte Organisation ist eine Umweltorganisation.
Histadrut ist der große Gewerkschaftsbund in Israel (General Federation of Workers in Eretz Israel). Die Gewerkschaft wurde vor vierzig Jahren gegründet, und hat eine große Rolle beim Bau von israelischen Siedlungen in Palästina gespielt. Sie steht treu zum 'jüdischen und zionistischen Staat'.
Sie alle kämpfen im sozialen Bereich, um eine Alternative zur Regierungspolitik zu schaffen. Aber die israelische Bevölkerung, sagte man uns, unterstützt die 'Kriegsanstrengungen', um, viel später einmal, die anderen Probleme zu lösen. Es fällt ihnen daher schwer, eine politische Dimension in ihre aktuelle soziale Arbeit aufzunehmen.
Verbindungen mit den israelischen arabischen Organisationen sind nicht vorhanden und zur Zeit nicht in Betracht zu ziehen. Die Unmöglichkeit dieses Austausches entspringt der Aufsplittung der israelischen jüdischen sozialen Bewegungen in drei Bereiche der sozialen Problematik: Soziales, Humanitäres und die Palästinafrage. Die Repräsentanten der Verbände und Gewerkschaften, die wir getroffen haben, kümmern sich nur um soziale Fragen. Ein Gewerkschafter bedauerte, dass ihre palästinensischen Partner 'sich an ihre nationalen Ansprüche klammern', die erst nach der Lösung der sozialen Probleme in Israel eingelöst werden könnten.
Diese Haltung macht ihre Isolation verständlich. Das ist nicht der Fall bei der gemischt-israelischen (Araber und Juden: Ta'Ayush, AIC) oder der rein jüdischen (Gush Shalom, Koordination der aktiven Frauen) Antisiedlungsbewegung, die auch mit arabischen israelischen (GALILEE, Arab Monitoring Committee, Adallah, Ata'ja) und palästinensischen Organisationen aus den besetzten Gebieten (PNGO, PARC und verschiedenen anderen Vereinigungen) zusammenarbeiten.
Von dieser Versammlung ging der Vorschlag aus, das Zusammentreffen mit anderen sozialen israelischen und palästinensischen Bewegungen zu fördern, insbesondere im Rahmen von Sozialforen.
2.4 Treffen mit israelischen Antisiedlungsgruppen in Jerusalem Wir haben vor allem Vertreter von Ta'Ayush, Gush Shalom, AIC, CAHD [14] getroffen. Sie arbeiten mit lokalen palästinensischen Organisationen und Behörden zusammen. Sie tragen wesentlich dazu bei, Brücken zwischen ihrer Gesellschaft und der palästinensischen Gesellschaft zu schlagen. Selbst wenn das bisher wenig ins Gewicht fällt, der Einfluss auf die Zukunftsperspektiven ist bedeutend.
Die Politik von Ta'Ayush stützt sich vor allem auf humanitäre Hilfe. Dadurch konnten Siedlungsgegner, Humanisten und von der Linken enttäuschte Menschen zusammengebracht werden. Angesichts der schwierigen politischen Situation leiten sie stets neue Aktionen ein: gegen die Ausgangssperre (Nablus, Bethlehem), gegen die Mauer (Qalqilya), gegen die Verweigerung der elementaren Rechte (medizinische Versorgung für Salfit, Zisternen für die Beduinen in der Negev-Wüste, Unterstützung der Bauern bei der Ernte oder einfach nur bei der Feldarbeit usw.). Andere Siedlungsgegner und Pazifisten haben sich ihnen angeschlossen (z.B. Shalom Marshav). Sie stören, weil sie an der Seite von Palästinensern kämpfen, andere Israelis mit in die besetzten Gebiete nehmen - was dem Gesetz nach verboten ist -, behindern die Besetzungsarmee, die mit Gewalt reagiert. Sie mobilisieren 500 Personen, und dies für zunehmend radikalere Aktionen.
Für Jeff Harper, der das Israel Committee Against Houses Demolitions leitet, haben sie durch die Arbeit gegen die Hauszerstörungen begriffen, wie die Besetzung funktioniert. Der Staat will die Besetzung unumkehrbar machen, indem eine neue Infrastruktur aufgebaut und die Palästinenser, auch die aus dem Landesinnern, verjagt werden. Für die Israelis heißt Frieden so viel wie Ruhe: 'Ich will eine Mauer, mich einschließen, die anderen ihrem Schicksal überlassen.' Die Mauer würde ihnen sogar die Siedlungen vom Hals schaffen.
Nach Ansicht der israelischen Siedlungsgegner muss die internationale Gemeinschaft nicht nur den Kampf der Palästinenser unterstützen, sondern sich auch dafür einsetzen, dass der künftige palästinensische Staat kein Bantustan-Staat wird.
Michel Warshawski lässt uns an seinem Pessimismus bezüglich der Wahlen (28.1.2003) teilhaben. Für ihn ist Amram Mitzna der einzige Führer der Arbeitspartei, der eine Politik vertritt, die mit der Politik der Koalition und von Barak bricht. Es gibt eine Verschiebung nach rechts, und die extreme Rechte hat Rückenwind. Seit dem 28. September 2000 heißt der Operationsplan 'Blutet' (Das Blut soll fließen! - das wurde in der Presse zitiert). Auch die Intellektuellen haben ihren Teil der Verantwortung für diese politische Situation. Sie haben nicht den Willen, Dinge in Frage zu stellen und sie zu ändern. Seine Freunde haben fürchterliche Angst vor dem Spiegeleffekt, den ein Krieg gegen den Irak in extremistischen Kreisen hervorrufen könnte: dass sich die Idee eines Krieges der Zivilisationen festsetzt. Die Mauer bringt die Getto-Mentalität der Israelis zum Ausdruck. 'Eine Gesellschaft, die ihre Sicherheit durch eine Mauer verwirklicht, ist eine kranke Gesellschaft.'
Den Siedlungsgegnern geht es vor allem darum, diesem Kolonialismus in ihrer Gesellschaft den Kampf anzusagen: Wie kann man sich für GVO (genveränderte Organismen) interessieren, für die Verschuldung der armen Länder, für Umweltschutz, und dabei die palästinensische Frage ignorieren [15]?
Sie sind pessimistisch, was die Veränderung der Mentalität in Israel betrifft, und sie sind sich einig über die Bedeutung des internationalen Druckes. Die Fortschritte in Israel waren das Ergebnis eines externen Druckes (z.B.: Libanon). Auch sie fordern, wie in Ramallah und in Nazareth, die Entsendung einer Schutztruppe und die Aussetzung aller Assoziationsabkommen seitens der EU.
Ich möchte festhalten, dass all die Organisationen, die sich in Ramallah, Nazareth und Jerusalem getroffen haben, für einen Boykott israelischer Produkte sind, auch wenn die Aktivisten - wenn sie jüdische israelische Staatsbürger sind - das nicht offen äußern können.
Am letzten Tag unserer Mission, dem 2. Januar 2003, sind wir höchst zahlreich zur Moqata gegangen, um unsere Unterstützung für Yassir Arafat auszudrücken, der in den Augen des palästinensischen Volkes noch immer das Symbol des Widerstandes ist.
Die globalisierungskritische Bewegung hat die palästinensische Frage in ihren Kampf integriert, wie es von vielen auf dem Sozialforum in Florenz ausdrücklich gefordert wurde.
Auch Attac Frankreich hat die Integration dieser Frage in seine Arbeit während der nationalen Versammlung in la Rochelle vereinbart. Aber die Umsetzung muss deutlicher und konkreter Form gebracht werden.
Fußnoten: [1] Seit unserer Rückkehr wurden zwei Universitäten geschlossen [2] Altstadt, in der die palästinensischen Bewohner von fanatischen Siedlern terrorisiert werden. Den Palästinensern aus der Zone H1 ist der Zugang zur Zone H2 untersagt. Auf den Höhen von Hebron wurde eine weitere Siedlung errichtet, die bald durch eine Straße mit der Zone H2 im Herzen der Stadt verbunden werden soll. Diese Straße wird zum Sicherheitsbereich erklärt, eine weitere Einschränkung der Hebroner. [3] Die Apartheidsmauer-Kampagne: www.stopthewall.org [4] Ein Begriff der verwendet wird, wenn der Aufenthalt auf israelischem Gebiet für 10 Jahre verboten wird; somit wird es unmöglich, nach Palästina zu gehen. [5] Belgischen, spanischen und philippinischen Delegationen, die am Forum teilnehmen wollten, wurde die Einreise verweigert. [6] Palestinian Non-Governmental Organizations Network (Plattform der palästinensischen NGOs), Weltsozialforum, Arab NGO Network for Development Ta?ayush haben auch teilgenommen. [7] DWRC - http://dwrc.org, PARC - www.pal-arc.org [8] Er leitet das alternative israelische arabisch-jüdische Informationszentrum in Verbindung mit der israelischen Antisiedlungsbewegung: AIC - www.alternativenews.org [9] ITTIJAH www.ittijah.org, ADALAH (The Legal Center for Arabe Minority Rights in Israel) Vereinigung zur juristischen Verteidigung der Rechte der arabischen Minderheit - www.adalah.org, E'LAM (Center for Communication for Palestinians inside Israel), GALILEE Association - www.gal-soc.org [10] Im Oktober 2000 demonstrierten 13 israelische Araber zur Unterstützung der Intifada in Nazareth; sie wurden von der israelischen Polizei ermordet. [11] Sie wurden hauptsächlich zwischen 1948 und 1966 für den Bau von Kibbuzim und neue Städte beschlagnahmt. [12] Vor allem E'LAM (Kommunikationszentrum für Palästinenser in Israel). [13] Histadrut www.laborisrael.org [14] Gush Shalom www.gush-shalom.org, Ta'ayush -www.taayush.org Das Israel Committee Against Houses Demolitions (ICAHD), geleitet von Jeff Halper, kämpft gegen die Zerstörung palästinensischer Häuser (in Israel und den besetzten Gebieten) und hilft bei ihrem Wiederaufbau. ICAHD www.icahd.org [15] Michel Warschawski organisierte nach dem letzten Besuch José Bovés in Palästina eine Konferenz in Israel, um die Menschen für die palästinensische Frage zu interessieren. Die wenigen Personen die kamen, interessierten sich nur für das Thema der genmanipulierten Organismen (GMO). [16] 1994 lebten im Westjordanland etwa 1,2 Millionen PalästinenserInnen.
Übersetzung: Monika Bootz Korrekturgelesen: Christine Belakhdar , coorditrad@attac.org, ehrenamtliches Übersetzungs-Team
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