Sand im Getriebe (SiG) #19
internationaler deutschsprachiger Rundbrief der ATTAC-Bewegung

Sturmwolken über Lateinamerika
Bäuerliche Agonie im Reich der Ungleichheit
Informationsquellen
Widerstand gegen die Globalisierung Mittelamerikas
Plan Puebla-Panamá en detail


PLAN PUEBLA-PANAMÁ EN DETAIL

Artikel-Auszug aus 'Junge Welt'
Übersicht über die neoliberalen Projekte in Lateinamerika


Die 'Junge Welt' schrieb zum Plan Puebla-Panamá (PPP) auszugsweise bereits am 23.05.2002:

Der PPP der konservativen Regierung von Präsident Vicente Fox sieht vor, die verarmte Region südlich von Mexiko-Stadt mittels staatlich geförderter Investitionen, gigantischen Verkehrsprojekten und der Einrichtung von Freihandelszonen ökonomisch zu beleben. Besonders betroffen von dem umstrittenen Entwicklungsplan ist die Landesenge von Tehuantepec zwischen dem Golf von Mexiko und dem Pazifik. Eine hier geplante Verkehrsverbindung zwischen den beiden Meeren soll den Panamakanal entlasten. Zusätzlich soll eine Autobahn von der Stadt Oaxaca durch den Isthmus zum pazifischen Badeort Huatulco führen. Die Arbeiten für diese 'supercarretera' haben bereits begonnen.

Die Autobahn stellt einen kleinen Baustein des PPP dar, der nach Meinung von Präsident Fox das gesamte Gebiet zwischen der östlich von Mexiko-Stadt gelegenen VW-Stadt Puebla und dem südlichsten mittelamerikanischen Land Panama in eine Art Industrie-, Tourismus- und Freihandelszone verwandeln soll. 'Auch der Süden lebt', lautet die Parole des wirtschaftsliberalen Politikers, der Mexiko strikt nach den Vorgaben des internationalen Währungsfonds IWF und den Wünschen des mächtigen Nachbarn im Norden regiert.


Übersicht über die neoliberalen Projekte in Lateinamerika
zusammengestellt von Barbara Waschmann

Um die Reichweite und massive Vertreibungsstrategie des Plan Puebla-Panamá zu verstehen, ist es notwendig, die einzelnen Parallel- oder Satellitprojekte und wer davon profitiert, zu untersuchen:

Biologischer Korridor
Energieplan der Amerikas
System elektrischer Integration für zentralamerikanische Staaten (SIEPAC)
Der Marsch in den Süden
Plan Süd
Operation New Horizons
Plan Colombia


Biologischer Korridor
Ein 1993 von der Weltbank initiiertes Projekt, dem bereits 93 Mio US-$ zugeteilt wurden, mit dem Ziel das weltweit zweitgrössten Vorkommen biogenetischer Ressourcen zu privatisieren. Zur Zeit sind bereits transnationale Unternehmen, US-amerikanische Universitäten und vermutlich Umwelt-NROs in diesem Gebiet aktiv, genetische Code von Pflanzen und Tieren zu patentieren.

Es ist hinlänglich bekannt, dass Biotechnologie alle Aspekte des menschlichen Lebens (Medizin, Ernährung, Lebensmittelproduktion etc.) revolutionieren kann. Die grundlegenden Rohmaterialien, die die Industrie braucht um das zu erreichen, sind die genetischen Ressourcen, die in Gegenden mit reicher Biodiversität vorkommen. Die Einwohner aus diesen Biodiversität-Zentren zu verdrängen, stellt sicher, dass der wirtschaftliche Benefit der Ausbeutung dieser genetischen Ressourcen nicht geteilt werden muss und dass keine lokalen Einwohner mehr da sind, die sich gegen diese unverhohlenen Akte der Bio-Piraterie aussprechen können.


Energieplan der Amerikas
Derzeit unterzeichnet von den Regierungen Amerikas, Kanadas und Mexikos wird es einen gemeinsamen deregulierten Markt fossiler Brennstoffe erzeugen, der auf eine Privatisierung der immensen Öl- und Gas-Ressourcen der Region hinausläuft, um die Habgier des 'big business' zu befriedigen. Dieser Plan hat Besorgnis erregende Implikationen:

Eine Öl-Pipeline wird von Panama in den Süden von Veracruz, Mexiko gebaut werden; und dann in den Norden, hinaus aus der Plan Puebla-Panamá-Region, Richtung Texas, um bequem gewaltige Mengen Öls aus der Region in die Vereinigten Staaten von Amerika zu transportieren. Auch wird über eine andere Verbindung ausserhalb der Region gesprochen, dieses Mal in den Süden, zu den grossen Reserven in Venezuela und Kolumbien. Wir mögen uns an dieser Stelle daran erinnern, dass die Bush' Administration aus Öl-Geschäftsmännern besteht, er selbst an erster Stelle.

Und abermals ist Plan Puebla-Panamá notwendig, um die Population zu vertreiben, die am Land überhalb der grossen Öl-Reserven lebt - indigene Gemeinschaften, afrikanische Nachkommen and Kleinbauern.


System elektrischer Integration für zentralamerikanische Staaten (SIEPAC)
Grossteils finanziert durch die spanische Regierung mit dem spanischen Konzern Endesa als hauptsächlichen Begünstigten, zielt es darauf ab, die regionale Elektrizitätsindustrie zu privatisieren, wobei das Argument bemüht wird, dass die Bildung eines wettbewerbsfähigen Marktes der Bevölkerung einen besseren Service bieten wird.

Insbesonders beunruhigend ist, dass dieser Plan mit der Herstellung eines Netzwerks von 72 hydro-elektrischen Dämmen einhergeht, die die Überschwemmung von Millionen Hektar Land bedeuten -
Land, das von indigenen Gemeinschaften, afrikanischen Nachkommen and Kleinbauern bewohnt wird. Darüberhinaus ist klar, dass diese Staudämme ernsthafte und irreversible ökologische Schäden verursachen.

Diese Mega-Produktion an Energie würde den unersättlichen Stromverbrauch in den Vereinigten Staaten von Amerika befriedigen als auch den Energiebedarf für den 'Marsch in den Süden' abdecken.


Der Marsch in den Süden
Dieses Projekt profitiert von der einzigartigen geostrategischen Position der Region durch ihre inter-ozeanische Lage und durch die praktisch nicht existenten Arbeits- und Umwelt-Regelungen, indem die Region von verschiedenen 'plantas maquiladoras' (sweatshops) heimgesucht werden soll. Öffentlich-private Partnerschaften begünstigen mit all ihrer 'modernen, ausgeklügelten' Infrastruktur eben diese sweatshops.
Dieser Plan inkludiert ein Netzwerk von Giftmülldeponien, der uns vermuten lässt, dass in diesen maquiladoras hochgefährliche und umweltschädigende Substanzen verwendet werden sollen.

Dieser Plan benötigt auch Arbeitskraft im Überfluss, die er ausbeuten kann und mit der vertriebenen Bevölkerung soll die Rechnung aufgehen. Deren Analphabetentum, fehlende Schulbildung und wirtschaftliche Verzweiflung bedeutet, dass sie gezwungen werden, ihre Arbeitskraft zu einem extrem geringen Preis zu verkaufen. Es ist offensichtlich, dass die reiche kulturelle Diversität komplett vernichtet wird, wenn sie von ihrem heimatlichen Terretorium entfernt werden, zusammen mit ihrem Modell der sozialen Organisation und Aktivitäten, die tief mit ihrem Mutterland verbunden sind.


Plan Süd
Bereits von den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada und Mexiko unterzeichnet, dient 'Plan Süd' als Filter, um illegale Zuwanderung von Zentralamerika in die grossen Nationen des Nordens zu verhindern. Die Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada geben Mexiko Quoten für legale, befristete Arbeiter in Landwirtschaft und Industrie im Norden und handeln gewissermassen mit Menschen. Im Austausch für dieses Fluchtventil, stimmte Mexiko zu, seine Südgrenzen zu schliessen um die illegale Zuwanderung in die USA und Kanada von seinen südlichen Nachbarn zu verhindern.

Anders betrachtet, agiert die mexikanische Regierung als billige Grenzkontrolle, um dem 'Plan Süd' die vielen Werkzeuge der Repression bereitzustellen; Einwanderungsbehörde, Steuerfahndung, Bundespolizei, Staatspolizei, öffentliche Sicherheit plus Bundesarmee, Marine und Luftwaffe.


Operation New Horizons
Die Plan Puebla-Panamá-Region hat unschätzbaren Wert - sowohl hinsichtlich ihrer Lage wie auch ihrer natürlichen Ressourcen. Plan Puebla-Panamá beabsichtigt, diese Ressourcen dem transnationalen Kapital zugänglich zu machen. Und die Anzeichen legen nahe, dass sobald diese Ressourcen zu eigen gemacht wurden, die Vereinigten Staaten von Amerika beabsichtigen, sie sich für militärische Zwecke selbst zu behalten. Das inkludiert militärische Vorbereitungen, um auf den zu erwartenden Widerstand, friedlich oder bewaffnet, zu antworten.

Die matte Ausrede nutzend, die lokale Bevölkerung vor natürlichen Katastrophen (Erdbeben, Vulkane und Wirbelstürme), die gelegentlich die Region verwüsten, zu schützen, liess man sich den Plan einfallen, US-militärische Stützpunkte überall in Zentralamerika einzurichten - wie schon geschehen in Guatemala, Honduras und El Salvador. So 'will man für uns sorgen' heisst es beim Training zentralamerikanischer Armeen, um diesen Notsituationen zu begegnen.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Plan Puebla-Panamá ein Mega-Projekt vollkommener neoliberaler Natur ist und ein bezeichnender Schritt im Prozess dieser wirtschaftlichen Globalisierung. Es impliziert die Privatisierung von strategischen Ressourcen der Region zugunsten transnationaler Konzeren und der militärischen und geopolitischen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika. Um diese Ziele zu erreichen, sollen Indigene, Schwarze und Bauern von ihrem Land vertrieben, alle Arten des menschlichen Leidens, der wirtschaftlichen Verzweiflung hervorgerufen und ein nicht rückgängig zu machender Verlust einer grossen kulturellen Diversität der Welt verursacht werden.

Danke an Coordinadora Regional de los Altos de Chiapas de la Sociedad Civil en Resistencia - Chiapas, México für diese Zusammenfassung.


Plan Colombia
Die kolumbianische Regierung hat diesen umstrittenen Plan ausgearbeitet, der die Basis für einen angeblichen Frieden in Kolumbien darstellen soll. Unter dem Deckmantel von Drogen- und Aufstandsbekämpfung trifft der ausgerufene Krieg der kolumbianischen Armee aber vor allem die zivile Bevölkerung und soziale Bewegungen.

Von den USA wurde eine Militärhilfe in Höhe von US-$ 1.3 Milliarden für den Plan Colombia beschlossen. Diese dient vor allem der Intensivierung des Drogenkrieges, um offiziell den illegalen Anbau von Koka und Schlafmohn sowie den Handel mit illegalisierten Drogen zu beenden. Nebenbei soll der rebellierenden Guerilla ein Ende gesetzt und die 'älteste Demokratie' Lateinamerikas stabilisiert werden.

Tatsächlich geht es um die Durchsetzung von Mega-Projekten, neoliberalen Konzepten und wirtschaftliche Kontrolle des gesamten Kontinents und die Ausweitung des NAFTA-Abkommens Richtung Süden. Die BäuerInnen setzen auf Koka und Schlafmohn, weil durch die Politik der Wirtschaftliberalisierung alle anderen Agrarprodukte kein Einkommen garantieren. Vertreibungen, Morde und das Spritzen von Chemikalien - made by Monsanto - auf vermeintliche Anbaufelder sichern wirtschaftliche Gewinne von GrossgrundbesitzerInnen und Multis. Dies kommt wiederum den Interessen der politischen Eliten zugute.

Der Plan Colombia wirkt sich direkt auf die Nachbarländer Kolumbiens aus. Der bewaffnete Konflikt, die Drogenproblematik und die Flüchtlingsströme könnten die ganze Andenregion erschüttern. Die Regionalisierung des kolumbianischen Konflikts ist auch beabsichtigt ? allerdings nicht von den Regierungen der Nachbarstaaten Kolumbiens. Die USA fände eine 'Neuordnung' der Andenregion nach ihrem Gutdünken.

Bislang bekannt sind folgende Unternehmen, die vom Plan Colombia profitieren:
- Dyncorp als USA's grösster militärischer Privatanbieter, der im Geheimauftrag des US-amerikanischen Aussenministeriums um US-$ 600 Millionen für Schädlingsbekämpfung in Kolumbien sorgt.
- Citigroup ist die weltgrösste Bank und wird auch als weltgrösster Geldwäscher gehandelt. Dem US-Senat zufolge kommt ein Grossteil dieses Geldes vom Drogenhandel in Südamerika.
- Enron, 'das (ehemals) führende Energieunternehmen der Welt', sandte seinen Vizepräsident gemeinsam mit Clinton nach Kolumbien und war Hauptsponsor des Bush-Wahlkampfes.
- Eli Lilly stellt Prozac her - ein beliebtes Antidepressivum, das in Zeiten wie diesen ja wirklich nötig ist
- Occidental Petroleum Corp.,
- BP Amoco
- United Technology Corp. (Produzent militärischer Hubschrauber)
- Bell Helicopter Textron Inc.

Quelle: greenpepper, Niederlande

Link-Empfehlungen:
offizielle website www.ftaa-alca.org