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KOLLEKTIVE ENGAGEMENTS DER BEWOHNER UNSERES BARRIOS Silvia Saravia, Argentinien
Die Bewegung 'Barrios de Pie' wurde im Dezember 2001 in Argentinien ins Leben gerufen. In ihr sind Männer und Frauen aus Armen-Vierteln vereinigt, die seit langer Zeit in allen Teilen Argentiniens ihre Erfahrungen gesammelt haben. 'Barrios de Pie' ist weiter gewachsen und heute fast in allen Landesteilen vertreten - in Provinzen, Städten, Dörfern, Armen- und Villenvierteln. Überall dort, wo 'Not am Mensch' ist, haben wir das Recht, diese Not zu beheben. Gerade dort fasst 'Barrios de Pie' Fuss.
Um der Arbeit wieder die Würde zu verleihen, die ihr zukommt, und um nicht von der staatlichen Unterstützung abhängig zu sein, organisiert 'Barrios de Pie' in den Arbeiter-Vierteln Volksküchen, Backstuben und Gemüsegärten, durch die Tausende von Erwachsenen und Kindern versorgt werden. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Förderunterricht, Alphabetisierungskampagnen, Volksbüchereien, Kunst-Workshops, Kampagnen zur Krankheitsvorbeugung, Workshops zur Familienplanung und gegen Gewaltanwendung in Familien - letzere in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk 'Solidarische Frauen' - werden von 'Barrios de Pie' organisiert.
Ermöglicht wird das alles Dank des kollektiven Engagements der BewohnerInnen unseres 'barrios' (Stadtviertels), die auch von Dozenten, StudentInnen und Kunstschaffenden unterstützt werden. Fortschritte werden ebenfalls auf dem Weg der Selbstverwaltung gemacht. Ziel ist, am Aufbau eines anderen Argentiniens mitzuarbeiten, ohne an einen Dritten Verantwortung sowie unsere Rechte und Pflichten zu übertragen.
Einige Schlussfolgerungen des 'Barrios de Pie':
Wir haben uns besonders dem Kampf gegen den Hunger und gegen die Armut verschrieben, unter denen Millionen unserer Landsleute leiden. Wir widersetzen uns den ungerechten Auflagen des IWF.
Volksmacht Wir wollen nicht als Bewegung verstanden werden, die ausschließlich für Arbeitslosenunterstützung kämpft, sondern als eine Bewegung, die dieses Land in Kooperation mit anderen gesellschaftlichen Kräften regiert und in der Lage ist, ein anderes Argentinien aufzubauen. Unsere Aktivitäten in den Bereichen Volkserziehung und Gesundheit, Mikro-Projekte, Kultur und technische Kommunikationsmittel sind ein Beweis dafür, dass das möglich ist. Wir sehen darin den Beginn einer vom Volk ausgeübten Macht, an der jedeR Einzelne Anteil nimmt.
Wahlen Mehrheitlich wurde die Meinung vertreten, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, die nächsten Wahlen zu legitimieren, zu denen es nie gekommen wäre, hätte es nicht die Morde am 26. Juni gegeben. Dualde hatte bekanntlich den Wahltermin am darauf folgenden Tag bekannt gegeben - ganz abgesehen davon, dass es bei dieser Wahl nicht, wie wir es am 19./20. Dezember gefordert hatten, um alle Staatsorgane ging.
Zur Wahl stand entweder eine Protest-Wahl, ein von vielen angefochtener Urnengang oder aber ein Wahl-Boykott. Es ging uns nicht nur um die Verhinderung der Wahl, sondern vielmehr darum, die KollegInnen in allen 'barrios' zu organisieren und auch andere Gesellschaftsbereiche durch intensive Informationskampagnen zu sensibilisieren.
Streikbewegung Es war dringend geboten, alle am Kampf Beteiligten zu vereinen, Aktivitäten in Kooperation mit der MIJD (Bewegung unabhängiger Rentner und Arbeitsloser), dem 'Bloque Piquetero' und der Vereinigung 'Aníbal Veron' mit dem Ziel zu setzen, neue Kriterien für die wirkliche Auseinandersetzung zu entwickeln.
Repression Die Regierung sieht in der Repression die einzige Alternative, dem Widerstand gegen das etablierte Gesellschaftsmodell von Seiten der großen Mehrheit des Volkes zu begegnen. Deshalb wurde beschlossen, der Repression mit verschiedenen Aktivitäten zu begegnen.
Strategie Der 19. und 20. Dezember 2001 markieren einen Einschnitt in unserem Volkskampf: Diese Daten werden mit Sicherheit deutliche Spuren in unserer Organisationsstruktur hinterlassen. Seit diesem Zeitpunkt 'gehört' uns die Straße, seitdem marschieren wir mit anderen Schwesterparteien in der ersten Reihe, wenn es um den Kampf gegen Hunger und Arbeitslosigkeit geht, seitdem erheben wir unsere Forderungen an die großen Supermärkte, errichten wir Straßensperren, blockieren Brücken und öffentliche Gebäude. Gegenwärtig bereiten wir uns auf den Kampf gegen die Freihandelszone Lateinamerika (FTAA/ALCA) vor.
Ein Argentinien, in dem soziale Gerechtigkeit kein Fremdwort ist, ein Argentinien, das keine Repression kennt, ist möglich; wir fordern demokratische Partizipation des ganzen Volkes, das über sein nationales Schicksal selbst entscheidet. Wir wollen eine andere geschwisterliche und solidarische Gesellschaft 'neuer' Männer und Frauen.
Übersetzer: Hartmut Brühl, coorditrad@attac.org, Ehrenamtliches Übersetzungs-Team, sig bw, 21.02.2003
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