Sand im Getriebe (SiG) No. 18
internationaler deutschsprachiger Rundbrief der ATTAC-Bewegung

Aufruf der sozialen Bewegungen
Das Weltsozialnetz
Mobilisierung gegen die G-8!
Drittes Weltforum der ParlamentarierInnen
Weltbildungsforum
Botschaft von Kofi Annan an das Weltsozialforum
Start des Internationalen Netzwerks gegen Steuerflucht
Weltweites Attac-Treffen in Porto Alegre
Bericht Attac-Europa & Attac-Welt-Treffen
US-Delegierte auf dem Weltsozialforum


US-DELEGIERTE AUF DEM WELTSOZIALFORUM
Soren Ambrose

Warum hat das Interesse in der US Bevölkerung so stark zugenommen? Warum kommt jetzt die größte nicht-brasilianische Delegation aus den USA?

Auf dem ersten Weltsozialforum waren vielleicht 100 Delegierte aus den USA. Auf dem zweiten waren es fast 500. In diesem Jahr, in dem die Regierung der USA gegen den Irak droht und viele andere Regierungen und Völker der Welt damit verärgert, nehmen wir über 1.000 registrierte Delegierte aus den USA in Porto Alegre wahr.

Von unserer Position als Veranstalter einer der größten US-Delegationen ausgehend, können wir nur Vermutungen anstellen. Die Zahlen sind höher als wir sie voraussahen. Wir nehmen an, dass das Folgende ein Teil der Erklärung sein könnte:

1. Für viele Menschen in den USA ist die Bush-Regierung so extrem und reaktionär gewesen, dass sie gezwungen wurden sich zu entscheiden, ob sie weiterhin unpolitisch sein wollen. Viele Menschen, die bis daher einfach mit progressiven Meinungen einverstanden waren aber nichts darüber hinaus taten um diese zu vertreten, fühlen sich nun verpflichtet dafür zu sprechen und Opposition zu organisieren. Es ist auch denkbar, dass die Menschen die sich von ihrer Regierung entfremdet fühlen, Bündnisse mit Menschen außerhalb ihres Landes suchen oder neu etablieren.

2. Nachrichten und Erfahrungsberichte von dem Weltsozialforum brauchten Zeit, um sich in der Öffentlichkeit und durch das Internet zu verbreiten. Da die Menschen jetzt mehr Wissen über das Forum haben, sind die interessierter zu kommen.

3. Die Globale Gerechtigkeitsbewegung in den USA hat nicht so stark vom 11. September Abbruch erlitten, wie viele befürchtet hatten; ihre Schwungkraft ist zurück und führte möglicherweise viele dazu, internationale Treffen wie das WSF zu besuchen.

4. Die Wirtschaft der USA hat sich verschlechtert, besonders für die Menschen, die schon am unteren Ende der Wirtschaftsleiter leben. Diese Tatsache ermutigte sehr viel mehr Menschen darüber lernen zu wollen, warum sie ihre Arbeit oder ihre Lebensversicherungen verloren haben und an sozialen Bewegungen für Gerechtigkeit teilzunehmen.

Die Delegation der Basisgruppe ' Globale Gerechtigkeit ' aus den USA brachte etwa 100 AktivistInnen aus der ganzen Nation zum WSF 2003. Sie sind in erster Linie Basis-GemeindeaktivistInnen, die alles versuchen, um politische Macht aufzubauen. Einige richten ihre Arbeit auf Umweltprobleme in ihrem Gebiet, andere auf Arbeitsrechtskämpfe oder Einwanderungsprobleme. Was sie alle verbindet, ist eine Verpflichtung zum Prinzip, dass sie beginnen müssen zu verstehen, wo sie und die Regierung der USA sich im globalen Wirtschaftssystem einfügen. Dann wird die Verantwortung von US-AktivistInnen, die gegen eine Regierung aktiv werden, die weltweit mit ihrer politischen und ökonomischen Macht andere weiter unterdrückt - so hoffen wir - zu einem natürlichen, integrierten Bestandteil des Aktivismus.

sig bw, 22.02.2003