09:00-12:00 Uhr Vorfilm: Der Schwarzfahrer ein Kurzfilm von Pepe Danquart 12 Min, deutsch Deutschland 1992 geeignet ab 14 Jahren | Ein junger Schwarzer wird während einer Straßenbahnfahrt von einer älteren Frau wüst beschimpft. Die Passagiere rundum sind Zeuginnen und Zeugen der hässlichen Szene, auf die sie mit nur kaum sichtbaren Zeichen reagieren: ein zustimmendes Nicken hier, verlegenes Wegschauen dort, sichtbare Unruhe bei Dritten. Das Schimpfen wird heftiger, gehässiger Spannung und Beklemmung rundum nehmen zu. Als ein Kontrolleur einsteigt, weiß sich der junge Schwarze zu helfen... |
Here to Stay Rassismus in Wien ein Dokumentarfilm von Markus Wailand 65 Min, deutsch Österreich 2008 geeignet ab 14 Jahren | Wien ist Welthauptstadt. Des Hauswandrassismus. Die internationale Tourismusmetropole versinkt in rassistischen Beschmierungen: 'Neger raus'. 'Tötet N****', 'Asyl Drogen N****', 'Fuck N*****'. Und so weiter. Mit schwarzer Kreide, mit Filzstift, manchmal mit der Sprühdose. Vieltausendfach. 'Schwere Unruhen und Blutvergießen' gäbe es in den USA, wenn dort solche Parolen geschrieben würden, meinte die Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison bei einem Wienbesuch. Egal in welcher Stadt. Wien ist anders. Während die Schneeräumung hier per Gesetz minutiös geregelt ist, und auch die Frage der Hundekotbeseitigung unter größter öffentlicher Anteilnahme erörtert wird, fühlt sich für die 'N**** raus'-Parolen niemand zuständig. Anzeigen kann man sie nur wegen Sachbeschädigung, nicht wegen Verhetzung. Der Polizei fehlen angeblich die Ressourcen, um ernsthaft nach Tätern zu fahnden, und der Stadt Wien angeblich das Geld, um die Parolen zu entfernen. Simon Inou, Journalist und Aktivist der Black Community, will das so nicht hinnehmen. Er macht sich selbst auf die Suche nach den Beschmierern, spricht mit Grafologen und Graffitiforschern, forscht in Archiven und denkt sogar an Überwachungskameras. Zusammen mit der Soziologin Beatrice Achaleke, unterstützt vom Hip Hop Musiker Topoke und anderen Mitgliedern der schwarzen Communities Wiens, entwirft er Strategien, die dem Alltagsrassismus in seiner Heimatstadt Paroli bieten können. Here to Stay macht sich auf die Suche nach den Hetzern und findet sich plötzlich im österreichischen Parlament wieder. Und in der Geschäftszentrale des Handelshauses Julius Meinl, auf dem der legendäre Meinl-Mohr prangt wie eine Trophäe. Am Stephansplatz verteilt ein jüdisches Künstlerkollektiv Plakate an Touristen, wo sie auf die Parallele zwischen den 'N**** raus'-Parolen und der 'Juden raus'-Hetze aus dem Jahr 1938 hinweisen, während der Obmann einer Parlamentspartei verlangt, militärische Transportflugzeuge zu Abschub-Maschinen umzurüsten. Dort könnten abzuschiebende Asylwerber dann schreien und sich anurinieren, ohne andere Urlaubsreisende zu stören, wie das 1999 Marcus Omofuma getan hat. 'Neger raus', so wird's gemacht. Auf Hauswände geschriebene Aufforderungen wie 'N**** raus' oder 'Kill all N*****' finden letztlich ihre Umsetzung in der österreichischen Asylpolitik. Ein Film, der mit gängigen Klischees über schwarze Menschen in Wien bricht. Ohne hilflose Opfer, ohne Drogenmafia, ohne Showbiz-Superstars. Der Film zeigt bemerkenswerte Menschen mit afrikanischen Wurzeln, die Österreich als ihre neue Heimat sehen. Sie sind here to stay. Anfeindungen, Alltagsrassismem und 'N**** raus'-Beschmierungen beantworten sie mit eigenen Initiativen, selbstbewusst und zuweilen mit überraschenden Mitteln. Sie wollen kein Mitleid, keine Almosen, sondern Fairness und Respekt und ein Ende des Wiener Hauswandrassismus. |
Joseph Goebbels (1897-1945) hat den nationalsozialistischen Staat als Markenzeichen überlebt: Sein Name steht noch heute weltweit für hemmungslose und zynische Propaganda. Aber das Leben des Joseph Goebbels ist beunruhigender, als es die gängige Zuordnung als Propaganda-Genie nahe legt. Lutz Hachmeister (Regie, Buch) und Michael Kloft(Buch, Recherchen) zeigen durch - teilweise erstmals veröffentlichte - dokumentarische Aufnahmen, wie sich Goebbels von seinen Anfängen als radikaler 'völkischer Sozialist' bis zum Selbstmord mit Frau und Kindern ständig neu inszenierte, sich buchstäblich erfand. Der Film bringt uns die Karriere eines modernen Medien-Politikers nahe. Verzichtet wird auf jeden Kommentar; nur Goebbels selbst spricht mit der Stimme des Schauspielers Udo Samel - aus seinen Tagebüchern, die er von 1924-1945 exzessiv führte. Es entsteht das Psychogramm eines Mannes, der hochtourig zwischen Weltschmerz, Wehleidigkeit, Vernichtungswut und politischer Extase hin- und herschwankte. Ein Experiment in Stilisierung und Manipulation, das Goebbels nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit der Öffentlichkeit vollführte. |