Die Normale 2009
das gesellschafts- und wirtschaftspolitische Dokumentarfilm-Fest

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Hunger.Macht.Profite.III
Filmtage zum Recht auf Nahrung

Vorfilm: Die EU macht reiche 'Bauern' reicher
Milch, Macht und Märkte

Vorfilm:
Die EU macht reiche 'Bauern' reicher
Subventionen für Landadel und Industriekonzerne
von Christian Rohde
und Hans Koberstein
Kurzfilm, deutsch

Am Beispiel Deutschland wird gezeigt, wie EU-Agrarsubventionen - da sie sich nach der Betriebsfläche richten - Großgrundbesitzern wie dem Hochadel zu Gute kommen. Die deutsche Bauernlobby kämpft gegen Pläne der EU, die Agrarsubventionen neu zu ordnen. Bislang profitieren vor allem Großbetriebe von den sechs Milliarden EU-Subventionen - kaum aber kleinere Landwirte, die häufig ökologischer arbeiten.
Es geht um viel Geld, das Brüssel jährlich an europäische Landwirte verteilt: 55 Milliarden Euro aus Steuergeldern, das sind mehr als 40 Prozent des gesamten EU-Etats. Sechs Milliarden dieser Agrarsubventionen fließen nach Deutschland - und zwar vornehmlich an Großbetriebe und Agrarfabriken. 1,5 Prozent der deutschen Landwirte kassieren 30 Prozent der Subventionen, hat der BUND errechnet.

Subventionierte Umweltverschmutzung
Damit unterstützt die EU ausgerechnet die Betriebe, die mit ihrer Landwirtschaft die Umwelt belasten, kritisiert der BUND. Herkömmliche Landwirtschaft belastet häufig Böden und Gewässer mit Nitrat und Antibiotika und emittiert Treibhausgas in erheblichen Mengen. Kleinere Landwirte wie Siegfried Jäckle vom Spittelhof im Schwarzwald kriegen hingegen kaum etwas ab vom EU-Kuchen. Mit 12 Hektar Grünland und 22 Mutterkühen samt Nachzucht ist Jäckles Betrieb einfach zu klein, um sich für großzügige EU-Subventionen zu qualifizieren.

Diese Förderpraxis will EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel nun beenden. In Zukunft sollen die Subventionen mehr für Umweltschutz und weniger für Agrarfabriken ausgegeben werden. Konkret will die EU-Kommission Agrarhilfen von mehr als 300.000 Euro um 45 Prozent kappen. Solche von mehr als 200.000 Euro sollen um 25 Prozent gekürzt werden, die von mehr als 100.000 Euro um zehn Prozent. Auch das System von Stützkäufen und Höchstmengen für die Milchproduktion hält die EU in Zeiten gestiegener Lebensmittelpreise nicht mehr für notwendig.

Bauern-Lobby sperrt sich
Die deutsche Bauern-Lobby sperrt sich gegen die geplanten EU-Kürzungen. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) warnt vor dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen besonders in Ostdeutschland, wenn den industriellen Agrarfirmen die Subventionen entzogen würden. Doch eine Nachfrage beim Statistischen Bundesamt ergibt, dass die Beschäftigung in der Landwirtschaft in Ostdeutschland ohnehin rückgängig ist - trotz milliardenschwerer Subventionen.
Auf die Frage, welchen Sinn und Zweck die EU-Direktzahlungen haben, von denen Konzerne wie RWE, Bayer und der Landadel profitieren, antwortet Seehofer: 'Wenn es stimmt, dann muss das beendet werden. Da darf man doch nicht reden. Das Ziel der Politik kann doch nur sein, die Landwirtschaft - eine starke Landwirtschaft mit Arbeitsplätzen in Deutschland - zu unterstützen, und nicht 'windfall profits' zu organisieren, dass jemand Subventionen bekommt, der mit der Landwirtschaft nichts am Hut hat. Da haben Sie mich sofort an Ihrer Seite.'
Geschehen ist bislang nichts.

Quelle: bund.net



Milch, Macht und Märkte
von Mirko Tomic
26 Min, deutsch
Deutschland 2008

Nur wenige wissen, welche Auswirkungen der niedrige Milchpreis in Europa auf afrikanische Milchbauern haben kann. Durch die Handelsliberalisierung - gestützt von Milliarden Euro für die Agrarwirtschaft - wird immer mehr Milch produziert.
Die Überproduktion gefährdet auch die kleinen Milchbauern in Dritte Welt-Ländern wie Afrika, doch Protest gegen die Liberalisierungspolitik zeigt kaum Wirkung.
Hauptsache billig - das ist für viele KundInnen hierzulande das entscheidende Kriterium beim Einkauf. Das gilt auch für den täglichen Liter Milch. Zu Dumpingpreisen verkaufen viele Supermärkte dieses Lebensmittel. Den Kunden freut's. Dass aber der Milchpreis in Europa auch direkte Folgen für ärmere Länder auf anderen Kontinenten hat, ist kaum jemandem klar.

Durch die Handelsliberalisierung wird immer mehr Milch produziert, die zu günstigsten Preisen in den Supermärkten landet. Effektiv arbeitende Großbetriebe verdrängen Kleinbauern/-bäuerinnen und ruinieren so gewachsene landwirtschaftliche Strukturen. Hochsubventionierte Überschüsse werden zu Niedrigstpreisen auf dem Weltmarkt gehandelt - unter anderem auch in Afrika.
Dort haben die KleinbäuerInnen keine Chance mehr, ihre Produkte zu fairen Preisen zu verkaufen. Mühselig aufgebaute lokale Milchgenossenschaften werden so zerstört, den Bauern die Existenzgrundlage entzogen.

Die Weichen für diese Entwicklung werden von den europäischen AgrarministerInnen gestellt. Ihre Politik zielt darauf, auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Zum Nachteil der Kleinbauern - in Europa und Afrika.

Zur aktuellen Produktion von Mirko Tomic 'Quotendruck und Turbokühe'


© NDR

ImpulsgeberInnen zum anschließenden Filmgespräch über Auswirkungen der europäischen Agrarpolitik auf die Struktur der Landwirtschaft in Europa und Afrika:


Schikaneder Wien am Samstag, 03. Oktober 2009, 19:00 Uhr
Iris Strutzmann (AK Wien)
Gerhard Hovorka (Bundesanstalt für Bergbauernfragen)
Roman Liebhart (Bio Austria)


Local-Bühne Kino Freistadt am Samstag, 10. Oktober 2009, 19:00 Uhr
Anna Prandstetter (SP-Landesbäuerin)
Ewald Grünzweil (IG Milch)
Josef Wakolbinger (ÖBV - Via Campesina Austria)


Diesel Kino Leibnitz am Samstag, 17. Oktober 2009, 19:00 Uhr Filmbeginn
Erna Feldhofer (Obmann-Stellvertreterin der IG Milch)
Marianne Müller-Triebl (Grüne Bäuerinnen und Bauern)


Linktipps:
Zu den unscharfen und veralteten EU-Agrarsubventionszahlungen an Betriebe in Österreich, veröffentlicht vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: www.transparenz.at
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) - Vielfalt fördern – Agrarsubventionen umverteilen, www.bund.net
zum provokanten BUND Agrar-Kinospot
Initiative für Transparenz bei EU-Agrarsubventionen in Deutschland, www.wer-profitiert.de
IG Milch Verein österreichischer Grünland- und Rinderbauern, www.ig-milch.at