Die Normale
das gesellschafts- und wirtschaftspolitische Dokumentarfilm-Fest

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Normale 06 @ Strandbar Herrmann

Dienstag, 19. September 2006, ab 19:30 Uhr
Open Air - Eintritt frei


19:30 Uhr

Land unter Strom
von Dorit Siemers und Heiko Thiele
Deutschland 2006
78 Min, deutsch
www.zwischenzeit-muenster.de

Gegenwärtig gibt es weltweit über 45.000 große Staudämme. Gerade in den sog. Entwicklungsländern gelten sie weiterhin als Motor für wirtschaftlichen Aufschwung. Dabei sind die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen gravierend.
In Mittelamerika sind zahlreiche Staudämme geplant und in Konstruktion. Auch dort zählen Abholzung von Regenwäldern, Vernichtung der Artenvielfalt, Überflutung von Gemeinden und Maya-Ruinen zu den 'Begleiterscheinungen' der profitablen Bauwerke.

Die ansässige Bevölkerung ist gegen die Konstruktion der Dämme - im Falle des Widerstands droht ihnen gewaltsame Vertreibung und Mord. Die produzierte Energie und das Stauwasser dienen primär den Niedriglohnfabriken (Maquiladoras), den Monokulturen, dem Tourismussektor sowie dem Energieexport. Dagegen ist ein Drittel der mittelamerikanischen Haushalte immer noch ohne Stromanschluss. Hinter den kostspieligen Staudämmen stehen Profit- und Machtinteressen von Regierungen und Staudammindustrie. Auch deutsche Konzerne sind an den Wasserkraftwerken beteiligt - und haben selbst mit blutigen Diktaturen zusammengearbeitet. Vier Beispiele aus Honduras, Guatemala und Mexiko (Babilonia, El Tigre, Chixoy, Usumacinta) dokumentieren die zahlreichen Folgen von der Planung bis zur Inbetriebnahme von Staudämmen. Gleichzeitig zeigen sie den Widerstand der Menschen gegen Enteignung, Naturzerstörung und staatliche Gesetzesbrüche.

Das Filmteam Dorit Siemers und Heiko Thiele reiste 5 Monate durch Südmexiko und Mittelamerika, um existierende und geplante 'Entwicklungsprojekte' des Plan Puebla-Panamá (PPP) zu dokumentieren. Der PPP - ein neoliberales Großvorhaben mit ineinander verzahnten Wirtschaftsbereichen - wird trotz negativer Auswirkungen auf Mensch und Natur von den Regierungen weiter vorangetrieben.Das Filmteam begleitete Organisationen und Betroffene, die Widerstand gegen Fremdbestimmung und Ausverkauf der Ressourcen leisten. Zudem interviewten sie PolitikerInnen und Unternehmer. Ein wichtiger Aspekt ist die Beteiligung europäischer Unternehmen, Banken und KonsumentInnen.

21:00 Uhr

Das blaue Gold im Garten Eden
von Leslie Franke
Deutschland 2003
59 Min, deutsch
www.kerntv.de

Das sogenannte Südostanatolien-Projekt soll mit Stromproduktion und Bewässerung im gigantischen Ausmass den hauptsächlich von Kurden bewohnten 'unterentwickelten' Südosten der Türkei in das industrielle Zeitalter katapultieren.

In eindringlichen Bilder erzählt der Film von den sozialen und ökologischen Konsequenzen des „Ilisu“-Staudamm-Projektes. Entwurzelung, Verarmung, versalzte Böden, verdrecktes Wasser und neue Krankheiten sind die Wirklichkeit des versprochenen Garten Edens. Aber noch ehe diese Probleme erkannt, geschweige denn gelöst sind, werden neue Stauprojekte geplant und stehen kurz vor ihrer Realisierung.

Für die Anrainerstaaten werden sauberes und ausreichendes Euphrat- und Tigriswasser damit immer mehr zu einer Überlebensfrage. Wie sie gelöst werden kann, glaubt man in der Türkei schon zu wissen - wem das Wasser zu knapp wird, der kann es bei ihr kaufen...

Wie kein anderer Staudamm sorgt der Ilisu-Staudamm/Türkei in Europa und im arabischen Raum für Aufsehen. Nachdem das Skandalprojekt 2001 bereits von fast allen Firmen und Exportkreditagenturen fallen gelassen wurde, möchte ausgerechnet das Österreichische CSR-Vorzeigeunternehmen VA Tech den Bau durchsetzen. Demnächst ist mit einem Antrag für eine staatliche Exportförderung zu rechnen. Ein Testfall auch für das Umweltprüfverfahren der Österreichischen Kontrollbank AG, unter den Augen der Weltöffentlichkeit.

Hintergrund-Infos

ECA watch - internationale NGO-Kampagne zu Exportkredit-Agenturen
international: www.eca-watch.org
Österreich: www.eca-watch.at

ECA watch Österreich wirft Ilisu-Konsortium Falschinformationen vor: Pressemeldung vom 24.08.2006 (PDF, 12kb)
Analyse von ECA watch Österreich (PDF, 1.6MB)

Staudamm im Krisengebiet-Kampagne von Greenpeace

Über die website von FIAN - Food International Action Network können bis Mitte Oktober 2006 Protestbriefe an die jeweiligen FinanzministerInnen in Österreich, Deutschland und Schweiz unterzeichnet werden: www.fian.de